Jesus & die Trinität Nachschlagewerk

CHRISTENTUM oder ISLAM?

Videonotiz 22 — Zeitmarken beziehen sich auf die Originalaufnahme.

Länge09:49
Gegenüberkulturell katholischer, faktisch unitarischer junger Mann (3 Jahre Theologieschule)
RelevanzHOCH (Argument gegen "wir glauben doch alle an denselben Gott")
Themenreligionspluralismus, derselbe-gott, widerspruch, allmacht, allwissenheit, freier-wille, prophetenkette, kanongeschichte

Setting#

Der Gesprächspartner ist katholisch sozialisiert, glaubt aber faktisch unitarisch: eine höhere Macht, Jesus und Moses als Verkünder, keine Anbetung der Propheten. Das Video ist die beste Behandlung der Pluralismus-Position im Korpus.

Argumentkette#

ARG-YOU-ARE-ALREADY-MUSLIM — Die Positionsermittlung [00:31]–[01:49]#

Schritt für Schritt bestätigt der Gesprächspartner: - Ein Gott, der uns hierher gebracht hat. ✓ - Jesus und Moses verkünden das Wort Gottes — "wie ein Prophet". ✓ - Moses mit der Tora, Jesus mit dem Evangelium, Muhammad mit dem Koran. ✓ - Er betet die Propheten nicht an, sondern Gott. ✓

"Aber du weißt schon, dass das der Glaube von Muslimen ist? … Also das, was du glaubst, ist dem Islam näher als jeder anderen Religion. … Dann bist du Muslim. Hast du schon mal überlegt, den Islam anzunehmen?"

Seine Begründung, es nicht zu tun (typisch und wichtig!): "Weil mein Umfeld in der Kirche besteht, weil meine Familie christlich ist … einfach, weil mein ganzes Umfeld sich dort drumherum [bewegt]." [01:49] → Nicht Überzeugung, sondern Zugehörigkeit ist das Hindernis. (vgl. das Weltbild-Eingeständnis in Video 03)

ARG-NOT-THE-SAME-GOD — Der Hauptzug [02:14]–[05:19]#

Erste Stufe (Propheten): "Christen glauben, Jesus wurde gekreuzigt. Juden glauben, Jesus war ein falscher Prophet, ein Scharlatan. Muslime sagen: er wurde nicht gekreuzigt, aber er ist ein Prophet Gottes. Diese Dinge kann man nicht miteinander vereinen. Es kann nicht im Sinne Gottes sein, dass er allen dreien recht gibt, obwohl sie sich klar widersprechen."

Der Gesprächspartner weicht aus: "Der Widerspruch ist in den Propheten, nicht in Gott selber" — das seien "Kleinigkeiten".

Zweite Stufe (der entscheidende Zug): Der Da'i verschiebt das Beispiel bewusst von den Propheten auf Gott selbst:

"Christen glauben, Jesus ist Gott. Katholiken, Protestanten, Orthodoxe glauben das. Muslime verneinen das. Das heißt, sie haben zwei sich ausschließende Ansichten darüber, wer Gott ist. Und du sagst, dennoch kommen beide ins Paradies?" "Offensichtlich glauben Muslime, Christen und Juden nicht an denselben Gott. Wenn Juden glauben, dass Jesus nicht Gott ist, aber Christen glauben, dass Jesus Gott ist, glauben sie offensichtlich nicht an denselben Gott." "Das sind ja auch nicht [nur] unterschiedliche Ansichten — das sind sich ausschließende Ansichten. Und das kann doch nicht im Interesse Gottes sein, dass er den Juden offenbart: nee, Jesus ist nicht Gott — und den Christen sagt: doch, doch, Jesus ist Gott."

Der Appell an die Redlichkeit: "Du bist doch ein kluger Mann. Du glaubst doch nicht an Widersprüche." [03:31]

ARG-NO-CONTRADICTION-EVEN-HEAVENLY [05:44]–[06:10]#

Ausweichversuch: Man müsse "weltliche Theologie" von "himmlischer Theologie" trennen. Konter: "Nur weil er ein himmlischer Gott ist, kann er ja nicht Widersprüchen ausgesetzt sein. Du kannst ja auch nicht sagen: ich glaube an einen himmlischen Gott, der allmächtig ist und einen Mangel an Macht hat. Selbst wenn wir über Gott rational denken, dürfen wir ihm keine Widersprüche zuschreiben." Nebenbei zur Kategorie "weltlicher Gott": "Die nennen wir Götzendiener — die Statuen und Menschen anbeten."

ARG-OMNIPOTENCE-INCLUDES-OMNISCIENCE [06:36]–[08:20]#

Der Gesprächspartner: Gott sei "allmächtig im Rahmen der Möglichkeiten", vielleicht nicht allwissend. Konter: "Wenn er allmächtig ist, schließt das seine Allwissenheit ein."

Definition (verwendbar): "Allwissend bedeutet: er hat Wissen über alles — über das Vergangene, über die Gegenwart, über die Zukunft und über das Potenzielle. Das bedeutet zum Beispiel: was würdest du heute tun, wenn du nicht mit mir ein Gespräch führen würdest?" → Die vierte Kategorie (das Potenzielle / kontrafaktische Wissen) ist der originelle Teil dieser Definition.

ARG-FREE-WILL-WITHIN-DECREE — Vorherbestimmung und freier Wille [06:36]–[07:02]#

Einwand: Wenn Gott allmächtig ist, ist unser Schicksal vorbestimmt, also sind wir nicht frei. Antwort: "Was ist, wenn Gott allmächtig ist und seinen Willen nicht auf uns aufzwingt, sondern in der Vorherbestimmung ein Element des freien Willens zulässt — damit wir auch für unsere Taten zur Rechenschaft gezogen werden?"

"Es macht ja keinen Sinn, am jüngsten Tag vor Gott zu stehen, wenn jeder Mensch sagen kann: du hast mich gezwungen. Wir glauben nicht, dass Gott uns zwingt." Der Gesprächspartner akzeptiert diese Lösung ausdrücklich ("logische Theorie … da würde ich mitgehen").

ARG-GOD-DIDNT-CONFUSE-US — Das Schlussbild (Rahmenzitat) [00:02] / [08:20]#

"Als Muslime glauben wir an einen Gott, der allmächtig, allwissend, allweise, liebend, vergebend, barmherzig ist. Und er hat die Menschen nicht verwirrt, indem er gesagt hat: 'Ja, vor 3500 Jahren schicke ich euch so etwas wie das Judentum. Vor 2000 Jahren — ah, doch Christentum. Vor 1400 Jahren — nee, nee, doch Islam.' Nein: die Kernbotschaft war von Beginn der Menschheit an immer da."

Das Geschichtsmodell der Offenbarung [08:47]–[09:39]#

Sauber ausformuliert: 1. Adam als erster Prophet → Noah → Abraham → Moses → Jesus → Muhammad (final). 2. "Alle diese Propheten sind Brüder im Glauben, mit derselben Kernbotschaft gekommen — aber die Menschen haben diese Botschaften verändert, weswegen Gott eine neue Botschaft geschickt hat." 3. "Die Tora wurde von den Pharisäern falsch ausgelegt, deswegen wurde Jesus mit dem Evangelium geschickt." 4. "Das Neue Testament wurde von den Kirchenvätern, Gelehrten und Bischöfen verändert — wir wissen, erst im 4. Jahrhundert hat man das erste vollständige Manuskript der Bibel kodifiziert." 5. "Gott hat eine neue Rechtleitung geschickt, weil er will, dass die Menschen zu ihm ins Paradies kommen."

"Da sieht man auch die rote Linie: wie Gott den Menschen immer wieder zeigen möchte, dass er sie im Paradies haben möchte."

Offene Punkte / Schwächen#

  • Die Aussage "Juden glauben, Jesus war ein Scharlatan" ist zugespitzt; die jüdischen Positionen sind vielfältiger (von Ablehnung bis zu neutraler Historisierung).
  • Der Übergang "du glaubst dasselbe wie wir → dann bist du Muslim" verkürzt: Der Gesprächspartner hat der Prophetenschaft Muhammads nie zugestimmt, was für die Schahāda konstitutiv ist. In der Wiki genau kennzeichnen.
  • Das Argument ARG-NOT-THE-SAME-GOD ist sehr wirksam gegen den weit verbreiteten "wir glauben doch alle an denselben Gott"-Reflex und verdient eine eigene Wiki-Seite.