Jesus & die Trinität Ein Lehrgang

„Ihre eigene Grenze ist längst durchbrochen“

teilweise 7 Min · setzt den Kurs voraus

Der Einwand#

Er kommt nicht sofort. Er kommt, nachdem Sie gesagt haben, Gott könne nicht Mensch werden, weil er über der Schöpfung steht.

Der Christ: Sie sagen, Gott sei vollkommen jenseits der Schöpfung. Aber Ihre eigene Lehre löst das Problem nicht. Irgendjemand muss ja unmittelbar mit Gott zu tun gehabt haben — sonst wüssten Sie nichts von ihm. Sie: Gott hat unmittelbar zu den Propheten gesprochen. Der Christ: Dann durchbrechen Sie Ihr Prinzip bereits. Wenn Gott unmittelbar sprechen kann, was spricht dagegen, dass er sich unmittelbar zeigt?

Das ist das härteste Argument, das die Gegenseite in diesem Werk vorbringt. Es greift nicht einen Vers an, sondern die Grundlage, auf der Sie stehen.

Warum er ernst zu nehmen ist#

Weil er zutrifft — jedenfalls gegen die Fassung, die üblicherweise geführt wird.

Wer sagt „Gott kann nicht Mensch werden, weil er transzendent ist", hat eine Grenze behauptet, die er selbst nicht durchhält. Der Islam lehrt Offenbarung: Gott spricht, Gott sendet, Gott lässt sich mitteilen. Die Grenze ist also bereits keine absolute Abschottung.

Und dann steht die Frage im Raum, auf die es hinausläuft: Warum ist eine Stimme aus dem Dornbusch erlaubt und eine Person nicht? Das ist eine ehrliche Frage, keine rhetorische.

Die Antwort#

Der Fehler liegt in der eigenen Formulierung, nicht in der Sache. Der Einwand trifft ein Argument, das Sie nicht führen sollten — verschieben Sie deshalb den Grund.

Nicht: „Gott kann die Grenze nicht überschreiten." Sondern: „Es geht nicht um die Grenze, sondern um die Eigenschaften."

Beispielgespräch

Der Christ: Wenn Gott sprechen kann, kann er sich auch zeigen. Sie: Ich bestreite nicht, dass Gott sich zeigen kann. Ich bestreite etwas anderes: dass ein und dasselbe Subjekt zugleich allwissend und unwissend sein kann, zugleich unsterblich und gestorben. Das ist keine Frage der Reichweite Gottes. Das ist eine Frage der Widerspruchsfreiheit.

Damit ist der Einwand entschärft, denn er zielte auf die Transzendenz. Die Eigenschaftsfrage bleibt davon unberührt — Gott mag sich zeigen, wie er will; er kann sich dabei nicht selbst widersprechen. → „Das sagte er als Mensch, nicht als Gott“

Der zweite Teil der Antwort — warum eine Stimme etwas anderes ist als eine Person:

Sie: Wenn Sie mich anrufen, hören Sie meine Stimme durch den Hörer. Der Hörer ist nicht ich. Gott wirkt in der Schöpfung, ohne dass das Gewirkte er selbst wäre.

Stand#

◐ Teilweise beantwortet — und die Verschiebung ist ein echter Fortschritt.

Die Umstellung von „Transzendenz" auf „Eigenschaftslogik" ist die wichtigste Verbesserung, die dieses Werk an der eigenen Position vornimmt. Sie sollte die alte Fassung ersetzen, nicht ergänzen: Wer weiter mit der Transzendenz argumentiert, läuft in diesen Einwand hinein.

🔍 Offen für Recherche: Der zweite Teil ist nicht durchgeführt. Die Telefon-Antwort klingt gut, ist aber nur ein Bild. Zu klären wäre, was genau eine Wirkung Gottes von einer Selbstmitteilung Gottes unterscheidet — und ob diese Unterscheidung sich durchhalten lässt, ohne selbst willkürlich zu werden. Solange das offen ist, hat der Christ hier eine Rückzugsposition, die Sie nicht schließen können.

Verwandte Einwände#

„Das sagte er als Mensch, nicht als Gott“ wohin dieser Einwand führt
„Das ist kein Widerspruch, das ist ein Geheimnis“ „das übersteigt die Vernunft"
„Ich verstehe, weil ich glaube“ die Erkenntnisordnung dahinter

Tiefer: Die Trinität · Stufe 9 — Die drei Antworten auf alles · Offen für Recherche