Jesus & die Trinität Ein Lehrgang

Die Trinität

Was behauptet die Lehre von der Dreieinigkeit genau — und wo liegt ihr Problem?

14 Min · etwas Vorwissen

Die Frage#

Nicht: Ist die Trinität wahr? Sondern zuerst: Was behauptet sie genau?

Das ist keine Höflichkeitsfloskel. Die meisten Gespräche über die Dreieinigkeit gehen schief, weil beide Seiten über etwas streiten, was gar niemand lehrt. Wer eine Karikatur widerlegt, hat nichts widerlegt — und verliert die Achtung seines Gegenübers in der ersten Minute.

Die kurze Antwort#

Die Lehre besagt: Ein Gott, drei Personen. Nicht drei Götter, nicht drei Namen für denselben, nicht drei Teile. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind jeder ganz Gott, sind aber nicht miteinander identisch.

Das ist keine Erklärung, sondern eine Festlegung. Die Lehre erklärt nicht, wie das geht; sie legt fest, was gesagt werden darf und was nicht.

Und genau dort liegt das Problem: Sieben Aussagen, denen jeder Christ einzeln zustimmt, ergeben zusammen etwas, das sich nicht ohne Weiteres zusammenfügen lässt.


1. Die sieben Aussagen#

Der klarste Zugang, den es gibt. Sie behaupten nichts — Sie lassen bestätigen.

Beispielgespräch

Sie: Ist der Vater Gott? Der Christ: Ja. Sie: Ist der Sohn Gott? Der Christ: Ja. Sie: Ist der Heilige Geist Gott? Der Christ: Ja. Sie: Ist der Vater der Sohn? Der Christ: Nein. Sie: Ist der Sohn der Heilige Geist? Der Christ: Nein. Sie: Ist der Heilige Geist der Vater? Der Christ: Nein. Sie: Und es gibt nur einen Gott? Der Christ: Ja.

Sie: Dann meine Frage: Wie werden aus den drei „ist Gott" am Anfang ein „ist Gott"?

Kürzere Formen derselben Sache, für ein Gespräch im Stehen:

Form Wortlaut
Zwei Herren „Ist der Vater der HERR? Ja. Ist Jesus der HERR? Ja. Ist der Vater Jesus? Nein. Dann sind es zwei."
Zwei Allmächtige „Ist der Vater allmächtig? Ist der Sohn allmächtig? Dann haben Sie zwei Allmächtige."
Sein eigener Sohn „Er ist Gott und Sohn Gottes. Also ist er sein eigener Sohn?"

Die christliche Antwort — und sie ist ernst zu nehmen.

Die ersten drei Aussagen sprechen vom Wesen, die mittleren drei unterscheiden die Personen. Das Wörtchen „ist" bedeutet nicht in beiden Gruppen dasselbe. Es sind nicht drei Dinge, die eins sind, sondern ein Wesen in drei Personen — rechnerisch eher 1 × 1 × 1 als 1 + 1 + 1. → Person und Natur

Ihre Rückfrage darauf ist die eigentliche Streitfrage:

Sie: Was ist dann eine „Person", die vollkommen Gott ist, ohne dass es drei Götter gibt? Wenn „Person" so wenig bedeutet, dass drei davon keine Mehrzahl ergeben — worin unterscheiden sie sich dann noch? Und wenn sie sich wirklich unterscheiden, so dass der eine etwas weiß, was der andere nicht weiß — wie ist das dann ein Wesen?

Dieses Werk erklärt die Frage nicht für entschieden. Sie ist der Kern, und sie ist offen.

2. Die Falle mit den Bildern#

Fast jeder Christ hat ein Bild zur Hand: Wasser als Eis, Flüssigkeit und Dampf. Ein Ei mit Schale, Eiweiß und Dotter. Ein Mann, der Vater, Sohn und Ehemann zugleich ist. Ein Kleeblatt.

Jedes dieser Bilder ist von der Kirche selbst verworfen wordenDie vier Irrlehren.

Bild Wohin es fällt Warum verworfen
Wasser, Eis, Dampf Modalismus Dann betet Jesus zu sich selbst
Ei mit drei Teilen Partialismus Jeder Teil wäre nur ein Drittel Gott
Ein Mann in drei Rollen Modalismus dasselbe Problem
Kleeblatt, Sonne mit Licht und Wärme Partialismus Gott hat keine Teile

Das ist der freundlichste Zug, den Sie führen können: Sie greifen die Lehre nicht an, Sie weisen darauf hin, dass die verwendete Erklärung von der eigenen Kirche abgelehnt wird.

Zum Ton: Nicht triumphierend. Die meisten haben diese Bilder von jemandem, dem sie vertrauen. Sagen Sie es als Auskunft — dann bleibt das Gespräch offen.

Und rechnen Sie damit, dass es nicht greift. Wer die Lehre kennt, verwendet die Bilder nicht. Dann sind Sie sofort bei Abschnitt 1.

3. Markus 12 — die Gelegenheit, die nicht genutzt wurde#

Der stärkste Zug, weil er nicht an einem Wort hängt, sondern an einer Situation.

Jemand fragt Jesus nach dem wichtigsten Gebot überhaupt. Er antwortet mit dem Schemaʿ Jisrael — „Höre Israel, der HERR ist einzig" —, Wort für Wort, ohne Zusatz.

Der Fragende bestätigt: „Richtig, er ist einer, und es gibt keinen außer ihm." Jesus sagt: „Du bist nicht fern vom Reich Gottes."

Sie: Dieser Mann glaubte nicht an drei Personen. Er glaubte, dass Gott einer ist. Wieso stellt Jesus ihm das Reich Gottes in Aussicht, wenn er ein falsches Verständnis davon hätte, wer Gott ist?

Markus 12,29 für die ganze Stelle mit den Gegenantworten.

4. Das Argument mit dem Willen#

Wenn drei Personen ein Wesen sind, haben sie dann einen Willen oder drei?

  • Einen — dann sind die Personen nicht wirklich unterschieden.
  • Drei — dann können sie voneinander abweichen, und in Getsemani tun sie es: „Nicht mein Wille, sondern deiner geschehe" (Mt 26,39).

Und hier müssen Sie vorsichtig sein. Die Kirche hat das entschieden: Konstantinopel III (681) legt fest, dass Christus zwei Willen hat — einen je Natur —, die einander nicht widerstreiten. Das ist eine ausgearbeitete Antwort. → Die Konzilien · Johannes 5,30

5. Woher die Lehre kommt#

Belastbar: Die Lehre hat ihre heutige Form über mehr als 350 Jahre bekommen — 325, 381, 431, 451, 681. Jedes Mal, weil jemand etwas anderes vertrat. Man kann fragen, warum der Kern des Glaubens so lange brauchte, um seine Form zu finden. → Die Konzilien

Nicht belastbar: Der Satz „die Gottheit Jesu wurde 325 in Nizäa erfunden". Er ist zu kurz, und er fällt gegen die frühen Bekenntnisformeln → „Das steht schon in den ältesten Bekenntnissen“. Führen Sie ihn nicht.

Ebenso wenig belastbar: Ableitungen aus heidnischen Dreiheiten. Sie halten einer quellenkritischen Prüfung nicht stand. → Was nicht hält

Was offen bleibt#

🔍 1. Der Kern selbst. Was eine „Person" ist, die vollkommen Gott ist, ohne dass es drei Götter gibt — und ob „ist" in den sieben Aussagen wirklich verschiedene Hinsichten bezeichnet. Beide Seiten stehen hier, und keine kommt weiter. → „Das ist kein Widerspruch, das ist ein Geheimnis“

🔍 2. Logik und Unendlichkeit. Der schärfste Gegenzug lautet, dass die Logik des Endlichen nicht ohne Weiteres auf das Unendliche übertragbar sei — mit der Mathematik als Beispiel, wo das Umordnen unendlicher Reihen das Ergebnis verändern kann. Die Erwiderung „Mathematik ist abstrakt" trifft das nicht.

🔍 3. Matthäus 28,19. Die einzige dreigliedrige Formel im Mund Jesu ist hier nicht bearbeitet. → Matthäus 28,19

Tiefer →#

Stufe 3 — Was die Lehre behauptet die Kurzfassung im Kurs
Die vier Irrlehren · Person und Natur · Die Konzilien die Begriffe
Markus 12,29 · Deuteronomium 6,4 · Johannes 10,30 die Stellen
„Das ist kein Widerspruch, das ist ein Geheimnis“ · „Ich verstehe, weil ich glaube“ die grundsätzlichen Einwände
Ist Jesus Gott? die andere Hälfte der Frage