WAHR oder FALSCH – Was hat JESUS wirklich gesagt?
Videonotiz 20 — Zeitmarken beziehen sich auf die Originalaufnahme.
Warnung: Der Gesprächspartner vertritt eine verschwörungstheoretisch gefärbte Sonderposition; seine Aussagen sind nicht repräsentativ für Christen oder Juden.
Setting#
Der Gesprächspartner ist kein gewöhnlicher Christ; er vertritt eine eigenwillige, verschwörungsnahe Position (Jesus sei der erste Antichrist; "Lord Rothschild" sei der Dajjal). Inhaltlich verwertbar ist vor allem die textkritische Argumentation des Da'i.
Argumentkette#
ARG-INTERPOLATION-JOHN8 — Die Ehebrecherin ist nicht ursprünglich [00:33]–[01:25]#
Anlass: die Steinigungsszene ("Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein", Joh 7,53–8,11).
"Diese Stelle im Johannes ist mit so gut wie abschließender Übereinkunft der biblischen Schriftgelehrten erfunden … Wenn du zu den alten Manuskripten gehst, insbesondere Codex Vaticanus und Codex Sinaiticus — das sind die vollständigen alten Manuskripte von 350 nach Christus — findest du diese Stelle dort nirgendwo." "Und das ist nicht nur bei diesem einen Vers so, sondern es ist bei mehreren Versen ein Fakt."
Die theologische Schlussfolgerung (wichtig und differenziert):
"Was bedeutet das? Die Leute haben Lügen über Jesus erzählt. Es ist nicht so, dass Jesus die Gesetze gebrochen hat, sondern die Leute danach haben die Gesetze gebrochen und es Jesus in den Mund gelegt — sie wollten ein gesetzloses Leben leben und haben das in den Mund von Jesus gelegt."
→ Das ist die Umkehrung der üblichen Lesart: Nicht Jesus setzt das Gesetz außer Kraft, sondern spätere Redaktoren. (Sachlich korrekt: Die Perikope von der Ehebrecherin fehlt in P66, P75, Sinaiticus und Vaticanus und gilt in der Textkritik als späterer Einschub.)
ARG-UNRELIABLE-SOURCE — Das Mark-Beispiel [01:53]–[02:19]#
Sehr eingängige Analogie:
"Wenn dein Freund zu dir sagt: pass auf den Mark auf, der Mark erzählt über alle Menschen Lügen — und dann kommt der Mark und erzählt dir über einen anderen die schrecklichsten Sachen. Wirst du das einfach so glauben? … Wenn dir ein Lügner die Information über eine andere Person gibt, wirst du sagen: du bist als Quelle völlig unauthentisch, unseriös, und deswegen lasse ich dich beiseite." "Und genau das machen wir. Jesus werden Handlungen zugeschrieben, die wir nicht glauben, weil die Bibel völlig unauthentisch ist."
Und dann der positive Schritt: "Was machen wir also jetzt? Wir gehen zum Koran, der abschließenden Botschaft Gottes, und schauen: was sagt er über Jesus? Er sagt: Jesus war ein wahrhaftiger Prophet, hat die Gesetze Moses' eingehalten, hat zum Wege Gottes gerufen — und die danach haben die Trinität erfunden, Jesus als Gott bezeichnet und die Gesetze außer Kraft setzen wollen." [02:19]–[02:46]
ARG-MANUSCRIPT-CONSISTENCY — Der Falsifikationstest, den der Koran bestehen muss [05:52]–[07:13]#
Bemerkenswert, weil er einen klaren Widerlegungstest für die eigene Position formuliert:
"Wenn du sagen würdest, es gibt ein altes Manuskript — vor 1200 Jahren — in dem Verse drin stehen, die wir jetzt hier nicht haben, oder in dem Verse nicht stehen, die wir jetzt haben — dann würde ich sagen: okay, jetzt habe ich keine Ahnung mehr, um zu sagen, dass das authentisch ist." "Und genau das haben wir im Alten und im Neuen Testament: Verse, über die man sich streitet, ob sie zum Kanon gehören, und Verse, die erwiesenermaßen hinzugefügt worden sind." "Es gibt kein einziges vergangenes Manuskript, das der heutigen Form des Korans widerspricht, sondern sie untermauern die Wahrhaftigkeit des heutigen Korans."
Zur Zahl der NT-Handschriften (der Gesprächspartner nennt "5700 Abschriften"):
"Es wird gerne die Zahl genannt … Die sind zumindest aus dem 5. Jahrhundert [gemeint: die Masse der Handschriften ist spät]."
ARG-HIJR-9 — Die Schutzzusage [00:01] / [07:13]#
Sure 15,9: "Wahrlich, wir haben die Ermahnung herabgesandt, und wahrlich, wir werden sie beschützen." Der theologische Kontrast: "Anders als bei der Bibel, die den Schriftgelehrten zum Schutz gegeben wurde, hat Gott beim Koran gesagt … er steht unter dem höchstpersönlichen Schutz Gottes." (vgl. die christliche/jüdische Parallele: das AT wurde nach Röm 3,2 den Juden "anvertraut".)
ARG-QURAN-AS-CRITERION [06:19]–[06:45]#
"Der Koran sagt, dass das Evangelium und die Tora an die Propheten gesandt worden sind, aber in der heutigen Form verfälscht sind. Das heißt, sie sind für uns heute kein Maßstab — der Koran setzt den Maßstab."
Nebenargument: Alles liegt in Gottes Hand [03:39]–[05:24]#
"Hast du jemals in deinem Leben entschieden: heute lasse ich mal meine Immunzellen gegen Krankheitserreger kämpfen, damit ich überlebe?" Zur menschlichen "Schöpfung" (künstliche Befruchtung, Chemie): "Sie arbeiten mit der Schöpfung Gottes. Es ist nicht so, dass sie jemals etwas Neues erschaffen — sie nehmen die Schöpfung Gottes und legen sie zusammen."
Zu Jesu Status und der Verspottung [10:12]–[10:37]#
"Wir glauben nicht, dass Jesus tot ist. Gott hat ihn errettet im Himmel, aber er ist abwesend bei uns. Wir müssen nicht Jesus gehorchen, sondern Gott." "Es gibt zwei Möglichkeiten, verlacht zu werden: einmal, weil du ein Idiot bist, und einmal, weil du die Wahrheit sagst."
Der Schlusssatz [13:17]#
"Das Problem deiner Überzeugung bezüglich Jesus ist in einem Satz zusammenzufassen: du nimmst deine Informationen über Jesus aus der Bibel."
Offene Punkte / Schwächen#
- Die Perikope von der Ehebrecherin ist tatsächlich sekundär — das ist das textkritisch am besten belegte Argument im gesamten Korpus und sollte in der Wiki mit Belegen (P66, P75, ℵ, B) geführt werden.
- Die Behauptung "kein einziges Koranmanuskript widerspricht dem heutigen Text" ist zu absolut: Die Ṣanʿāʾ-Palimpseste enthalten Abweichungen in Wortstellung und Lesarten. Die Wiki sollte das offen benennen, sonst wird das Argument bei kundigen Gesprächspartnern zur Schwachstelle.
- Die Gegenposition des Gesprächspartners (Jesus als Antichrist, Rothschild als Dajjal) ist nicht repräsentativ und sollte in der Wiki nicht als "christliche Position" geführt werden.
- Die genannte "Hesekiel-Stelle über Iblis, der Mensch wird" wird vom Gesprächspartner behauptet, aber nie belegt — der Da'i verlangt zu Recht den Nachweis (vgl. Hes 28 über den König von Tyrus, der oft so gedeutet wird).