Jesus & die Trinität Nachschlagewerk

Warum vereinen wir nicht alle Religionen? | DIALOG #21

Videonotiz 63 — Zeitmarken beziehen sich auf die Originalaufnahme.

Länge08:58
Gegenüberreligiös offener Gesprächspartner, der für eine Vereinigung der Religionen plädiert
RelevanzHOCH
Themenreligionsfusion, abrogation, widerspruchsfreiheit-des-korans, 2sam24-vs-1chr21, pericope-adulterae-fussnote, maerchenbuch-vorwurf, kreuzigung, stellvertretung

Zum Transkript: Untertitel teilweise fehlerhaft; Zitate sinngemäß.

Argumentkette#

ARG-ABROGATION-LOGIC — Der Einstieg über die eigene Logik des Gegenübers [00:12]–[00:37]#

Der Gesprächspartner hat gesagt, das Alte Testament sei durch das Neue "abgelöst" worden.

"Warum ist es abgelöst worden?" → "Weil es verändert wurde." → "Sehr gut." "Wir Muslime glauben ebenso, dass auch das Neue Testament verändert wurde, weil wir menschliche Elemente in diesem Buch finden. Daher ist das letzte Update gekommen: der Koran."

→ Sehr ökonomischer Zug: Die Ablösungslogik des Gegenübers wird einen Schritt weitergeführt.

ARG-QURAN-CHALLENGE-CONTRADICTIONS [00:37]–[01:05]#

"Glauben Sie, dass dieses Buch widerspruchsfrei ist?" → "Nein." → "Bringen Sie mir einen Widerspruch." "Gott fordert die Menschen im Koran heraus: Wenn dieses Buch von jemand anderem wäre als von Gott, dann würdet ihr viele Widersprüche darin finden." (Sure 4,82) "Das heißt, es gibt das Kriterium: Wenn Gott allmächtig und allwissend ist, dann kann er auch ein Buch herabsenden, das keine Widersprüche hat."

ARG-GOD-OR-SATAN — Der biblische Gegenbeleg (Kernstück) [01:05]–[02:24]#

Der konkreteste Widerspruchsnachweis im gesamten Korpus:

"2. Samuel 24,1: 'Der Zorn des Herrn entbrannte noch einmal gegen Israel, und ER — also Gott — reizte David gegen das Volk auf und sagte: Geh, zähle Israel und Juda.'" "1. Chronik 21,1: Dieselbe Geschichte — 'Der Satan trat gegen Israel auf und reizte David, Israel zu zählen.'" "Meine Frage: Wer hat David wirklich aufgefordert, das Volk zu zählen — Gott oder Satan? Weil ich denke, zwischen Gott und Satan ist ein großer Unterschied." "Und das sind die Punkte, wo wir sagen: Das kann nicht von Gott sein. Warum sollte Gott uns mit einem Buch verwirren?"

ARG-FOOTNOTE-IN-YOUR-OWN-BIBLE — Der Fußnoten-Beweis [02:24]–[03:17]#

Ein besonders wirksamer Zug, weil er die Bibelausgabe des Gegenübers selbst benutzt:

"Schauen Sie, was hier in der Fußnote steht — zu Johannes 7,53 bis 8,11: 'Dieses Stück gehört nicht zum ursprünglichen Bestand des Johannesevangeliums. Die besten Textzeugen überliefern es nicht.'" "Das heißt: Da sind menschliche Elemente drin." Und die Konsequenzfrage: "Wenn ich dir ein Buch schreibe, in dem steht: bete 50-mal am Tag — du weißt nicht, wer ich bin, du weißt nicht, woher diese Quelle kommt, du weißt nicht, ob es von Jesus kommt — und du folgst einfach blind?"

(Textkritischer Hintergrund: Video 20.)

ARG-FAIRYTALE-NEEDS-REASON — Die Umkehrung der Beweislast [03:53]–[04:46]#

Der Gesprächspartner nennt Bibel und Koran "Märchenbücher der Menschheit".

"So kann man behaupten — wo ist die Begründung dafür?" "Welches Märchenbuch in der Geschichte hat heute Millionen von Menschen, die diesen Märchenbüchern folgen? … Im Judentum gibt es Millionen Menschen, die daran glauben, im Christentum Millionen. Das heißt, wir müssen sagen: Diese drei Bücher haben etwas Besonderes — man kann sie nicht einfach ohne Begründung Märchenbücher nennen."

(Hinweis: Das ist ein Plausibilitäts-, kein Wahrheitsargument — vgl. den Kommentar zur Wachstumsstatistik in Video 25.)

ARG-NO-FUSION-POSSIBLE — Der Titelgedanke [04:46] / [06:35]–[07:30]#

"Sie sagen: alle Religionen quasi zusammentun. Eine schöne Vorstellung — aber was tun wir an diesen Stellen, wo sie sich widersprechen?" "Wir glauben nicht, dass Jesus gekreuzigt wurde. Sie schon. Wie wollen Sie diese zwei Punkte zusammenbringen?" "Würden Sie als Kompromiss eingehen, dass er nicht gekreuzigt wurde und der islamischen Tradition folgen — dass er von Gott zu sich erhoben wurde?"

Die vorgeschlagene Alternative zur Fusion (sehr gut formuliert):

"Ist es nicht besser zu sagen: Ich bin ehrlich, Sie sind ehrlich. Sie glauben an die Kreuzigung von Jesus, ich glaube nicht daran — aber wir führen einen Dialog auf ehrlicher Basis. Wir versuchen nicht, irgendwie alles zu vereinen."

Das ist die Kernaussage des Videos und ein sehr brauchbares Prinzip für die Wiki: Ehrlicher Dissens statt harmonisierender Verwischung. (Vgl. Video 11: "Ich würde nicht den Weg gehen, diese Religionen zu fusionieren.")

Zum historischen Beleg der Kreuzigung (Pontius Pilatus, römische Aufzeichnungen):

"Wir glauben das nicht — aber das kann gerne in diesen Texten stehen." (vgl. Video 15, Video 27)

ARG-EACH-BEARS-OWN-BURDEN — Der Schluss [07:56]–[08:21]#

"Stellen Sie sich vor: Sie haben einen Sohn. Die ganze Menschheit begeht Sünden — und Sie bestrafen Ihren Sohn für die Sünden der anderen Menschen. Inwiefern hat das einen Sinn?" "Sollte nicht jeder seine eigene Last tragen, wie es im Koran steht? Ich mache eine Sünde, ich muss dafür geradestehen — genauso wie du."

Bibel-/Koranstellen#

Stelle Verwendung Zeit
2 Sam 24,1 vs. 1 Chr 21,1 Gott oder Satan reizte David? [01:05]
Joh 7,53–8,11 (Fußnote) Perikope gehört nicht zum Urtext [02:24]
Sure 4,82 "Sie würden viele Widersprüche darin finden" [00:37]
Sure 6,164 / 35,18 jede Seele trägt ihre eigene Last [07:56]
Sure 4,157 Kreuzigung [04:46]

Offene Punkte / Schwächen#

  • ARG-GOD-OR-SATAN (2 Sam 24 / 1 Chr 21) ist der konkreteste innerbiblische Widerspruchsnachweis im Korpus. Die christliche Standardantwort (Gott lässt zu, Satan führt aus; vgl. Ijob 1) gehört in die Wiki — interessanterweise ist das dieselbe Argumentationsfigur, die der Da'i bei 2 Thess 2,11 in Video 27 gerade nicht akzeptiert. Diese Spannung sollte die Wiki offen benennen.
  • ARG-FOOTNOTE-IN-YOUR-OWN-BIBLE ist methodisch vorbildlich: Der Beleg stammt aus der Quelle des Gegenübers.
  • Das Märchenbuch-Gegenargument (viele Anhänger) ist rhetorisch, nicht logisch tragfähig.
  • Das Gespräch endet mit einer Themenverschiebung des Gegenübers (Frage nach interreligiöser Ehe), die nicht mehr beantwortet wird.