Jesus & die Trinität Nachschlagewerk

Jesus ist Muslim | DIALOG #32

Videonotiz 54 — Zeitmarken beziehen sich auf die Originalaufnahme.

Länge15:42
Gegenüberzwei Gesprächspartner – ein Christ mit Vortragsverpflichtung sowie ein spiritueller Sucher (Nahtoderfahrungen, "Bewusstseinsinhalte aus dem Universum")
RelevanzSEHR HOCH
Themenjoh14-28, joh5-30, phil2, jede-seele-traegt-ihre-last, gerechtigkeit-statt-stellvertretung, mk12-29, jesus-als-muslim, wunder-durch-gottes-kraft, koran-als-zeitloses-wunder

Zum Transkript: Automatische Untertitel stark fehlerhaft. Zitate sinngemäß.

Argumentkette#

ARG-FATHER-IS-GREATER — Der Einstieg (Rahmenzitat) [00:01]#

"Wenn Jesus von sich aus sagt: 'Der Vater ist größer als ich' [Joh 14,28] — wenn Jesus von sich aus sagt: 'Ich kann von mir aus nichts tun; ich richte, wie ich höre, und mein Gericht ist gerecht, denn ich bin nicht gekommen, um meinen Willen umzusetzen, sondern den Willen Gottes' [Joh 5,30] — dann macht er hier eine direkte Unterscheidung zwischen sich und Gott."

ARG-PAUL-NOT-JESUS [00:28]–[00:54]#

Der Christ antwortet mit dem Philipperhymnus ("er entäußerte sich, war gehorsam bis zum Tod am Kreuz, darum hat ihn Gott erhöht und ihm den Namen gegeben …", Phil 2,6-11). Konter:

"Und das ist das, was die Kirche sagt — aufgrund einer Offenbarung, die der Apostel Paulus erhielt, und nicht Jesus." → Die durchgehende Methode des Korpus: Jesu eigene Worte gegen die Deutungen späterer Autoren.

ARG-EACH-BEARS-OWN-BURDEN — Die koranische Gerechtigkeitslehre [05:54]–[06:19]#

"Aus islamischer Perspektive gibt es eine völlige Gerechtigkeit: Jemand anderer muss nicht für die Sünden eines anderen sterben. Gott sagt im Koran: 'Keine lasttragende Seele trägt die Last einer anderen.'" (Sure 6,164; 17,15; 35,18) "Wenn ich eine Sünde begehe, dann bitte ich um Vergebung, und Gott vergibt mir — oder Gott bestraft mich. Aber ich hoffe nicht darauf, dass jemand kommt und für mich stirbt."

ARG-JUSTICE-ANALOGY — Die Alltagsprobe [06:19]–[06:46]#

"Wenn wir das im Alltag anwenden würden, wäre keiner mit diesem Konzept von Gerechtigkeit zufrieden: Jemand begeht Mord — und DU musst für seine Schuld ins Gefängnis."

Der Weg der Vergebung (positiv formuliert) [06:46]–[07:12]#

"Du hast diesen Weg der Reue gefunden … du bereust, sagst: Gott, vergib mir — und versuchst, diese Sünde nicht mehr zu begehen. Und Gott vergibt dir. Und das ist vereinbar mit der Barmherzigkeit Gottes — aber nicht, dass Blut fließen muss, damit die Sünden vergeben werden, wie es im Römerbrief heißt."

Die schärfste Zuspitzung [07:38]:

"Mit anderen Worten würde das bedeuten: Gott kommt auf die Erde, begeht Selbstmord und nimmt die Sünden der Menschen auf sich." "Aus einer rationalen Perspektive — wo Gott uns den Verstand gegeben hat, um richtig von falsch zu unterscheiden — sollte jeder für seine eigene Last tragen. Warum soll Jesus die Last anderer tragen?" Das Entweder-Oder: "Das Konzept der Vergebung im Islam ist: Entweder vergibt Gott oder er bestraft." (vgl. ARG-JUSTICE-XOR-MERCY in Video 02)

Die Ockham-Rückfrage an den Spirituellen [03:44]–[04:12]#

An den Gesprächspartner, der glaubt, Gott kommuniziere direkt mit den Menschen:

"Wenn du sagst, dass Gott mit dir kommuniziert — was war dann der Sinn daran, dass Jesus auf die Erde kommt, um die Botschaft zu überbringen? Dann hätte Gott sich ja in jedem offenbaren können."

ARG-MARK12-29 — Die verpasste Gelegenheit [09:49]–[10:42]#

"Markus 12: Ein Schriftgelehrter kommt zu Jesus und sagt: 'Meister, nenne mir das wichtigste Gebot.' In diesem Moment, wo Jesus und seine Jünger da waren, hätte er sagen können: 'Hey, schaut mal, ich bin Gott und ihr müsst mich anbeten, ich bin Teil einer Dreifaltigkeit, und ihr müsst an meine Kreuzigung glauben, damit eure Sünden vergeben werden.' Hat er nicht gemacht." "Er hat genau das wiederholt, was Moses im Alten Testament gesagt hat: 'Höre Israel, unser Herr ist ein einziger Gott.'"

Und die Generalaussage: "Jesus hat an keiner Stelle des Evangeliums eine akkurate Aussage, wo er sagt: ich bin Gott, betet mich an. Und wenn Gott auf die Erde kommt, dann ist das die wichtigste Botschaft." [09:22]

Die positive Christologie (ausführlich) [10:42]–[11:35]#

"Wir Muslime glauben, dass Jesus einer der mächtigsten und großartigsten Propheten war, der je einen Fuß auf diese Erde gesetzt hat." "Wir glauben an seine wundersame Geburt durch Maria ohne die Berührung eines Mannes." "Wir glauben, dass er in der Wiege gesprochen und gesagt hat: 'Ich bin der Diener Gottes'" (Sure 19,30). "Wir glauben, dass er Wunder vollbracht hat, Leprakranke geheilt hat, Tote wieder lebendig gemacht hat — aber nicht aus seiner eigenen Kraft, sondern mit der Kraft Gottes."

ARG-MIRACLES-BY-GODS-POWER + ARG-TIMELESS-MIRACLE [11:35]–[12:28]#

"Wir glauben, dass Moses das Wasser geteilt hat. Und wir glauben, dass der Prophet Muhammad auch mit einem Wunder gekommen ist — und der Unterschied zu den anderen Wundern war, dass seines weder zeitlich noch akustisch noch optisch limitiert war." "Es ist eine schöne Geschichte zu hören, dass Moses das Wasser geteilt hat — aber inwiefern stärkt das meinen Glauben? Wir brauchen etwas, was bei uns ist. Und aus islamischer Perspektive ist das der Koran: das Wunder bis zum jüngsten Tag."

ARG-JESUS-IS-MUSLIM — Der Titelgedanke [13:44]–[14:38]#

"Wir sagen von Beginn an, dass Jesus Muslim ist. Du wirst jetzt sagen: ja, der Islam ist 600 Jahre nach Jesus gekommen. Die Sache ist: Der Begriff Muslim bedeutet jemand, der sich dem Willen Gottes unterwirft. Und Jesus hat sich von sich aus dem Willen Gottes unterworfen." "Jesus sagt in einem seiner Zitate: 'Ich richte, wie ich höre … denn ich bin nicht gekommen, um meinen Willen umzusetzen, sondern den Willen Gottes.' Wenn man diesen Satz ins Arabische übersetzen würde, würde er sagen: ich bin Muslim."

Und die Wiederkunft [13:19]: "Wir glauben, dass Jesus nicht gekreuzigt wurde, dass er zu Gott emporgehoben wurde — und dass er auf die Erde zurückkommen wird."

ARG-PARTIAL-TRUTHS — Der Umgang mit Gemeinsamkeiten [12:53]–[13:19]#

Sehr fair formuliert:

"Wir Muslime glauben — wie erwähnt — an die [jungfräuliche] Geburt. Da sind wir uns mit Christen einig. Das heißt, da können wir von einer Teilwahrheit sprechen. Wir sagen, dass Jesus Wunder vollbracht hat — diese Parallelen sind da." "Es ist völlig korrekt, dass Teilwahrheiten da sind, auch bei Moses. Aber was wir sagen ist: Es kann dennoch nur eine Wahrheit geben."

Zum Umgang mit Nahtoderfahrungen [05:03]–[05:28]#

Der Gesprächspartner beruft sich auf Berichte von Menschen mit Nahtoderfahrungen, denen Jesus erschienen sei.

"Bei so etwas bewegt man sich natürlich auf sehr dünnem Eis. Es gibt sehr viele Menschen, die Aufmerksamkeit wollen und Geschichten erfinden. Jesus selbst hat ja gesagt, dass falsche Propheten kommen werden." Und die Rückführung auf die Sachfrage: "Du hast selber gesagt, dass das rational nicht haltbar ist. Warum sollte Gott uns so ein komplexes Konzept der Kreuzigung schicken, an das wir glauben sollen — und zur selben Zeit Dinge, die wir falsifizieren können, sodass es im Endeffekt keinen Sinn ergibt?"

Der Schluss (Haltung) [14:38]–[15:03]#

"Wissen kann nie aufhören. Und immer kritisch hinterfragen — genau durch dieses kritische Hinterfragen bin ich zum Islam gekommen. Ich hatte genauso diese Zeit, wo ich gesagt habe: ich bin auf der Suche, ich bin offen auch für das Christentum und für das Judentum — ich habe mich damit beschäftigt." "Der interreligiöse Dialog ist auf jeden Fall wichtig."

Bibel-/Koranstellen#

Stelle Verwendung Zeit
Joh 14,28 ("der Vater ist größer als ich") direkte Unterscheidung [00:01]
Joh 5,30 "von mir aus nichts tun" [00:01]
Phil 2,6-11 vom Christen; als paulinisch eingeordnet [00:28]
Röm (Blut zur Vergebung) kritisiert [07:12]
Mk 12,28-31 Schema statt Trinität [10:17]
Sure 6,164 / 17,15 / 35,18 "keine Seele trägt die Last einer anderen" [05:54]
Sure 19,30 Jesus spricht in der Wiege [11:08]
Sure 3,49 Heilungen mit Gottes Erlaubnis [11:35]

Offene Punkte / Schwächen#

  • Joh 14,28 ("Der Vater ist größer als ich") wird hier zum ersten Mal im Korpus als Hauptargument genutzt — es ist eine der klarsten Unterordnungsstellen und sollte in der Wiki prominent stehen (mit der christlichen Gegendeutung: größer dem Rang nach in der Inkarnation, nicht dem Wesen nach).
  • ARG-JESUS-IS-MUSLIM ist semantisch elegant, wird aber von Christen regelmäßig als Etikettentrick empfunden (vgl. die Reaktion des Katholiken in Video 07: "Dann kann ich auch sagen, katholisch heißt allumfassend"). Die Wiki sollte beide Seiten darstellen.
  • ARG-PARTIAL-TRUTHS ist ein guter Gesprächseinstieg: erst die Gemeinsamkeiten benennen, dann die eine Differenz.