Jesus & die Trinität Nachschlagewerk

A5 — Die Schlüsselverse des Neuen Testaments

Diese Seite ist beidseitig aufgebaut: Zu jedem Vers steht, wie Christen ihn lesen und wie der Korpus antwortet — und wo die Antwort nicht ausreicht.

Zwei Listen: 1. Verse, die Christen für die Gottheit Jesu anführen (mit den Antworten des Korpus) 2. Verse, die der Korpus dagegen anführt (mit den christlichen Antworten)


Teil 1 — Was Christen anführen#

Johannes 1,1.14 — "Im Anfang war das Wort … und das Wort war Gott"#

Christliche Lesart: Der Logos ist präexistent, bei Gott und Gott; durch ihn wurde alles geschaffen; er wurde Fleisch.

Antwort des Korpus:Keine. Die Stelle wird im Korpus nie ernsthaft behandelt. In Video 40 [08:22] wird sie vom Christen vorgebracht und bleibt unbeantwortet; in Video 28 [12:34] liest der Prediger Joh 1 vollständig vor — der Da'i geht nicht darauf ein.

Das ist die größte Einzellücke des ganzen Korpus. Joh 1,1 ist die stärkste christliche Textstelle, und sie ist nicht bearbeitet.

(Was eine Bearbeitung enthalten müsste: die Semantik von theos ohne Artikel in Joh 1,1c; die alttestamentliche Weisheitstradition (Spr 8,22-31 — die Weisheit als erstes Werk Gottes); das Targum-Memra (das "Wort des HERRN" als Umschreibungsformel in den aramäischen Bibelübersetzungen); und das Schaliach-Prinzip. All das fehlt.)Offene Baustellen

Johannes 20,28 — "Mein Herr und mein Gott" (Thomas)#

Christliche Lesart: Der Auferstandene wird von einem Jünger als Gott bekannt — und weist es nicht zurück.

Drei Antworten des Korpus (Video 13 [24:02]):

(a) Ausrufs-Deutung ●●○

"Wenn ich sehe, dass ein Mensch, den wir ins Grab gelegt haben, plötzlich vor mir steht, und ich bin im Schockzustand und sage 'mein Herr und mein Gott' — dann heißt das nicht, dass ich IHN meine, sondern dass ich Gott lobpreise."

(b) Aufteilungs-Deutung ●●○ — mit einem starken Beleg:

"Es kann sein, dass Thomas gemeint hat: 'mein Herr' zu Jesus und 'mein Gott' zum Vater. So gut wie alle Briefe von Paulus beginnen mit der Eulogie: 'Der Vater im Himmel, unser Gott — und Jesus Christus, unser Herr.' Die frühe Formel war: Vater = Gott, Jesus = Herr."

(c) Titel-Argument ●●● (Video 45 [07:13]):

"Kyrios hat im Griechischen drei Bedeutungen: der Sklave zu seinem Meister, der Arbeitnehmer zum Arbeitgeber, der Schüler zum Lehrer." "Es gibt keinen Begriff, der exklusiv für Jesus verwendet wird. Moses wird Elohim genannt. Der Satan wird als 'Gott dieser Welt' bezeichnet [2 Kor 4,4] — wir beten den Satan nicht an."

Kontextualisiert in Video 40 [05:18]:

"Er hat nicht erwartet, dass der unendliche, unsterbliche, unsichtbare Gott vor ihm steht."

Was dagegen steht: Thomas spricht ihn direkt an ("sagte zu ihm"), und Jesus antwortet zustimmend ("weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt"). Und Raymond Browns Frage, die der Korpus selbst zitiert (Video 70 [11:19]), schneidet in beide Richtungen: Warum steht diese gewaltige Aussage nur hier? Nicht entschieden.

Johannes 8,58 — "Ehe Abraham wurde, bin ich"#

Christliche Lesart: egō eimi nimmt den Gottesnamen aus Ex 3,14 auf.

Vier Antworten des Korpus (Video 08 [04:49]–[11:24]):

(a) Der Kontextzug — originell und stark ●●●

"Jesus sagt: Abraham jubelte, als er meine Tage sah [Joh 8,56]. Was sagen die Pharisäer? Du bist noch nicht mal 50 Jahre alt und sollst Abraham gesehen haben. JESUS HAT DAS ABER NIE GESAGT. Wir machen doch nicht das Profil von Jesus an den Anschuldigungen der Pharisäer fest." Mit Paulus als Stütze: Gal 3 — auch dort sieht Abraham die Tage des Christus, also eine Vision, nicht eine Begegnung.

(b) Sprachlich ●●●

"In Exodus 3,14 sagt Gott hebräisch ehyeh asher ehyeh. Das ist der Eigenname Gottes — nicht egō eimi. Egō eimi ist griechisch und bedeutet nur 'ich bin'. Man kann ja nicht einfach den Namen Gottes übersetzen, wenn das ein fixierter Name ist. Bei JHWH sagen wir auch nicht 'der Seiende', wir sagen Jahwe."

(c) Nicht-Exklusivität ●●●

"Wenn egō eimi der unantastbare Name Gottes wäre, würden wir im NT nicht Paulus sehen, der genauso 'ich bin' sagt — und einen Blinden, der 'ich bin es' sagt" (Joh 9,9). "Beten wir den jetzt auch an?"

(d) Der synoptische Vergleich — der eigentliche Beweis ●●●

"In Lukas wird Jesus gefragt, wer er sei, und er sagt ich bin. Matthäus erzählt dieselbe Geschichte und schreibt: ich bin der Christus." → egō eimi heißt dort "ich bin der Messias", nicht "ich bin JHWH".

Und die Grundsatzfrage (Video 45 [15:49]):

"'Ich bin' ist kein vollständiger Satz. Warum sagt Jesus den Satz nicht zu Ende und sagt: 'Ich bin Gott'? Dann hätten wir diese Diskussion überhaupt nicht."

⚑ Gegenposition: Die Reaktion der Zuhörer (sie greifen zu Steinen) zeigt, dass sie es als Gotteslästerung verstanden. — Der Korpus antwortet darauf mit dem Kontextzug (a).

Johannes 14,9 — "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen"#

Die Antwort ist formal zwingend (Video 13 [04:22]):

"Ihr glaubt ja nicht, dass Jesus der Vater IST, oder? Der Vater ist eine Hypostase, der Sohn ist eine Hypostase. Das heißt, das kann nur im übertragenen Sinne gemeint sein. Das ist die einzige Erklärung — denn zu glauben, der Vater sei der Sohn, wäre Modalismus und wäre eine Häresie."

Sehr starker Zug: Der Christ muss seinen eigenen Beweisvers nicht-wörtlich lesen, um nicht in die Häresie zu fallen.

Und die sprachliche Feinheit (Video 19 [03:01]):

"Er hat nicht gesagt: Gott den Vater. Er hat gesagt: den Vater."

Johannes 5,17-18 — "Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch"#

Christliche Lesart: Die Juden verstehen es als Anspruch auf Wesensgleichheit — und Jesus korrigiert sie nicht.

Antwort des Korpus (Video 40 [09:13]): ●○○

"Du hast Jesus Worte in den Mund gelegt. Das hat er an keiner Stelle gesagt."

Das ist zu schwach. Die Beobachtung, dass Jesus die Deutung nicht korrigiert, verdient eine sorgfältigere Antwort — die im Korpus nur an anderer Stelle existiert: Joh 10,34-36 / Ps 82 (A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle, ARG-PS82-GODS) zeigt, dass Jesus solche Vorwürfe sehr wohl entschärft. Diese Verbindung sollte hergestellt werden.

Hebräer 1,8 — "Von dem Sohn aber: Dein Thron, o Gott, währt immer"#

Die Antwort ist bemerkenswert konzessiv und präzise (Video 12 [02:37]): ●●●

"Ich habe kein Problem damit, dass manche Stellen — vor allem Johannes — Jesus als etwas Höheres als einen Propheten bezeichnen, weil das hier eine PRÄDIKATION ist. Es ist eine Eigenschaft von ihm, dass Jesus in irgendeiner Weise göttlich ist. Aber es heißt hier nicht dasselbe, was wir in Johannes 17,3 lesen — dass Jesus der ALLEIN WAHRE Gott ist."

Und der Vers selbst liefert den Gegenzug mit: "… darum hat dich, o Gott, DEIN GOTT gesalbt" — der Sohn hat selbst einen Gott über sich.

Zur "Ewigkeit": "Ewigkeit in der Bibel bedeutet nicht immer Ewigkeit im wahrsten Sinne — sie kann auch eine sehr lange Zeit bedeuten" (ʿolām / aiōn). ⚑ Sprachlich vertretbar, im Kontext von Hebr 1,8 (Zitat aus Ps 45,7) aber umstritten.

Philipper 2,6-11 — der Kenosis-Hymnus#

Behandelt in A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle (ARG-KENOSIS-EMPTIES-DIVINITY, ARG-KENOSIS-CONTRADICTS-ATHANASIANUM) und F04 — Ist Jesus Gott?.

Zusätzlich der Autorschafts-Zug (Video 54 [00:28]):

"Das ist das, was die Kirche sagt — aufgrund einer Offenbarung, die der Apostel Paulus erhielt, und nicht Jesus."

Offenbarung 1,8 — "Ich bin das Alpha und das Omega"#

Antwort des Korpus (Video 28 [27:22]): Schaliach-Prinzip — ein Bote spricht im Namen Gottes. ⚠ Angreifbar: Offb 22,13 legt denselben Titel Jesus in den Mund; Offb 1,17-18 verbindet ihn mit dem, "der tot war und lebt". Nicht auf dieser Stelle aufbauen.

Sacharja 12,10 — "Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben"#

Antwort: ●●○ Jüdisch wird das auf Israel bezogen, nicht auf den Messias.

"Die Juden haben auf einen Messias gewartet, aber sie haben Sacharja nie so ausgelegt." Und gegen "weil sie Jesus ablehnen": "Aber BEVOR Jesus kam, wurde die Stelle nie messianisch gedeutet." (Präzisierung: Der hebräische Text ist textkritisch und syntaktisch umstritten — "auf mich" / "auf ihn". Das gehört fair dargestellt.)Video 28 [25:12]

Jesaja 40,3 — "Bereitet dem HERRN den Weg"#

Wird mit Mt 3,3 (auf Johannes den Täufer bezogen) verbunden → also sei Jesus JHWH.

Antwort ●●○ (Video 16 [11:00]):

"Also sagt Matthäus, der später kam, RETROSPEKTIV, dass in Jesaja Jesus gemeint sein soll? Jesaja muss von sich aus, unabhängig, mit klaren Worten beweisen, dass jemand kommen wird, inkarniert in einem Menschen, der Gott ist. Das tut er hier nicht." Und die Konzession: "Bereitet dem Herrn den Weg — damit haben wir kein Problem. Dass der Herr wirkt, ist kein Problem."

Markus 16,17-18 — Zungen, Schlangen, Gift#

Zwei Antworten (Video 12 [12:21]): 1. Textkritisch: "Du weißt aber schon, dass diese Stelle eine Interpolation ist." (Mk 16,9-20 fehlt in Sinaiticus und Vaticanus — belegbar.) 2. Der Praxistest (Rattengift) — rhetorisch wirksam, aber ein ad hominem. Der Da'i erkennt das selbst an: "Dann ist das kein Falsifikationstest. Was wir überprüfen können, sind die Worte Jesu in Matthäus 7." → Gutes Beispiel für ehrliche Selbstkorrektur.

Johannes 6,53-56 — "Esst mein Fleisch, trinkt mein Blut"#

Die Antwort ist eines der stärksten und unbekanntesten Argumente des Korpus (Video 19 [11:20]): ●●●

"Ist Blut laut Altem Testament erlaubt?" (Lev 17,10-14: absolutes Verbot) "Wenn die Juden das Konsumieren von Blut absolut verboten haben, dann kann Jesus niemals gesagt haben: esst und trinkt mein Blut." Zu den Hörern: "Die Pharisäer hatten völlig recht" (Joh 6,52). Verstärkt mit Mt 23,2-3: "Die Pharisäer sitzen auf dem Stuhl des Mose. So tut alles, was sie euch sagen." Und die Beobachtung: "Bei der Brotrede sind alle weggegangen — am Ende waren nur die Jünger übrig" (Joh 6,66).

Gegenposition, die im Korpus fehlt: Joh 6,63 — "Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts." Jesus deutet selbst geistlich. Wer das Argument führt, muss diesen Vers kennen.

Johannes 11,25-26 — "Wer an mich glaubt, wird leben"#

Antwort: ARG-LAZARUS ●●● (Video 48 [01:04]):

"Wenn die Auferstehung ein Faktor dafür ist, dass Jesus Gott ist — dann sehen wir im NT Lazarus, der genauso auferstanden ist." — "Aber Jesus hat ihn auferstehen lassen!" "Das spielt keine Rolle. Du hast gesagt, der Aspekt sei die Auferstehung selbst. Es geht um das Indiz."

Die christliche Standardantwort fehlt im Korpus: Joh 10,18 — "Ich habe Macht, es [mein Leben] zu lassen, und Macht, es wieder zu nehmen." Jesus wird nicht auferweckt, er erweckt sich selbst. Ohne diese Stelle ist ARG-LAZARUS unvollständig.Offene Baustellen

Mt 28,19 — der Missionsbefehl mit der trinitarischen Taufformel#

Im Korpus an keiner Stelle behandelt. Das ist doppelt bedeutsam: - Es ist die einzige trinitarische Formel im Munde Jesu. - Es ist die Antwort auf ARG-LOST-SHEEP-OF-ISRAEL (Mt 15,24). → Offene Baustellen


Teil 2 — Was der Korpus anführt#

Joh 17,3 — "der allein wahre Gott"#

→ ARG-ONLY-TRUE-GOD-ASYMMETRY, ausführlich in A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle und F04 — Ist Jesus Gott?. Der meistgenutzte Vers des Korpus.

Joh 5,30 — "Ich kann von mir aus nichts tun"#

A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle, ARG-JOHN5-30.

Joh 14,28 — "Der Vater ist größer als ich"#

A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle, ARG-FATHER-IS-GREATER. ⚑ Christlich: größer dem Rang nach in der Inkarnation, nicht dem Wesen nach.

Mk 13,32 — "auch nicht der Sohn"#

A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle, ARG-MK13-32. Mit der Drei-Namen-Probe.

Mk 12,29 — Jesus zitiert das Schemaʿ#

A4 — Trinität: Logik, Analogien, Geschichte, ARG-MARK12-34.

Mk 10,18 — "Warum nennst du mich gut?"#

A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle.

1 Tim 6,16 — "Er allein ist unsterblich"#

A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle, ARG-1TIM616.

Joh 20,17 — "zu meinem Gott und eurem Gott"#

Der Auferstandene selbst unterscheidet. → Video 40 [11:50] · Video 51 [11:37]

Joh 20,23 — Sündenvergebung an die Jünger delegiert ●●●#

"Wie können die Jünger Sünden vergeben, wenn sie nicht Gott sind?" Dazu das grammatische Argument (passivum divinum): "Jesus hat nie gesagt: ich vergebe dir, sondern: deine Sünden SIND vergeben — in der Passivform." (Mk 2,5) Und die Parallele aus der prophetischen Tradition (Video 45 [05:23]): "Der Prophet Muhammad hat zehn Personen das Paradies zugesagt. Wer kann das Paradies vergeben? Nur Gott. Aber er hat nicht beansprucht, Gott zu sein — es war eine Offenbarung." → Video 16 [07:54]

Offb 3,14 — "der Anfang der Schöpfung Gottes" ●●○#

"Also ist er eine Schöpfung Gottes. In meiner Übersetzung: der Anfang der Kreatur Gottes." "Wir beten nicht Dinge an, die erschaffen wurden — etwas, was erschaffen ist, kann sich ja nicht mal selbst helfen." ⚑ Der griechische Ausdruck archē tēs ktiseōs ist mehrdeutig: "Anfang" kann auch aktiv ("Urheber, Ursprung") gelesen werden. Die Wiki muss diese Ambiguität nennen.Video 16 [05:22]

Mt 4,5-7 — die Versuchung ●●●#

Der Beleg, dass Jesus Psalm 91 als messianisch bestätigt.

"Jesus sagt NICHT: Satan, du lügst. Er sagt: es steht AUCH geschrieben." Und die Umkehrung des Gegeneinwands ("Satan verführt auch mit Wahrheit"): "Eben. Sonst hätte Jesus gesagt: du lügst. Sonst bezeichnet er Satan auch als Lügner [Joh 8,44]. An dieser Stelle sagt er aber: es steht auch geschrieben." ⚑ Die stärkste Gegenposition, im Korpus unbehandelt: Jesus zitiert Dtn 6,16, um den Missbrauch der Verheißung zurückzuweisen — nicht, um ihre wörtliche Anwendung zu bestätigen. → Video 32 [16:03] · Video 10 [09:39]

Mt 7,22-23 — "Haben wir nicht in deinem Namen …" ●●○#

F11 — War Muhammad ein Prophet?, Abschnitt 4. ⚑ Der Kontext (Mt 7,21: "den Willen meines Vaters tun") ist das eigentliche Kriterium.

Mt 15,24 / Mt 10,5-6 — die begrenzte Mission ●●○#

A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle, ARG-LOST-SHEEP-OF-ISRAEL. ⚑ Gegenstelle Mt 28,19 fehlt.

Mt 23,2-3 — "Die Pharisäer sitzen auf dem Stuhl des Mose" ●●●#

Doppelt verwendet: 1. als Modell für die koranische Bestätigung des AT: "Jesus bestätigt das Alte Testament allgemein. Und nichts anderes macht der Koran." 2. gegen die Brotrede (siehe oben, Joh 6). → Video 12 [07:54] · Video 19 [11:20]

Mt 5,17-18 vs. Eph 2,14-15 — das Gesetz ●●●#

Jesus Paulus
"Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen … kein Jota wird vergehen" "hat das Gesetz mit seinen Geboten aufgehoben"
> "Wem soll ich glauben — dem Meister oder Paulus?"
→ <a class="wikilink" href="/quellen/70-dialog16-gewalt-gesetz-schema-teil1/" title="Muslim shocks Christian missionary 1/2 DIALOG #16">Video 70 [04:36]

Dtn 30,11-14 — "Du kannst es halten" ●●●#

Der stärkste alttestamentliche Konter gegen die Gesetzesunfähigkeits-Lehre. ⚑ Gegenposition, im Korpus unbehandelt: Paulus zitiert die Stelle in Röm 10,6-8 selbst und deutet sie christologisch. → Video 24 [21:15] · Video 02 [07:08]

Hes 18,20-22 — Vergebung ohne Stellvertretung ●●●#

A7 — Sühnopfer, Erbsünde und Vergebung.

Ps 121,4 · Ps 82,6 · Ps 91 · Ps 110,1#

A3 — Die Person Jesu: Eigenschaften, Titel, Rolle und A6 — Kreuzigung.

2 Thess 2,11 — "Gott sendet die Macht der Verführung" ●●●#

A6 — Kreuzigung, ARG-GOD-DECEIVES-2THESS. Der originellste Fund des Korpus.

Röm 1,22-25 — "die Herrlichkeit Gottes vertauscht" ●●●#

"Sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild gleich dem eines vergänglichen Menschen … und das Geschöpf verehrt und ihm gedient anstatt dem Schöpfer." "Das steht in eurer eigenen Schrift." ⚑ Gegenposition: Nach Paulus ist Jesus gerade kein bloßes Geschöpf (Kol 1,15-17; Phil 2,6). → Video 83 [01:04] — im Korpus einmalig.

Joh 3,13 vs. Lk 2,21 — Präexistenz gegen Empfängnis ●●○#

"Joh 3,13: der Menschensohn, der aus dem Himmel herabgestiegen ist. Lk 2,21: am achten Tag beschnitten, im Mutterleib empfangen — wie du und ich." ⚑ Als Widerspruchsbeweis zu schwach (die Inkarnationslehre ist genau die Antwort darauf). Als Beleg für unterschiedliche Christologien der Evangelien dagegen tragfähig. → Video 83 [00:13]

Mk 4,38 vs. Mt 8,25 — "Meister" wird zu "Herr" ●●●#

Der Beleg für die aufsteigende Christologie. → Video 70 [09:33] · A8 — Schriftkritik: Bibel, Kanon, Paulus

Mk 12,29 vs. Mt 22,37 — das fehlende Schemaʿ ●●●#

Der beste textliche Einzelfund der letzten Videogruppe — in zwei Minuten nachprüfbar. → Video 70 [06:21] · A8 — Schriftkritik: Bibel, Kanon, Paulus

Lk 2,21 — Jesus wurde beschnitten ●●○#

Ein selten verwendetes Argument: Jesus lebte als gesetzestreuer Jude unter dem Bund.

"Beschnitten heißt: der Bund. Beschnitten heißt beschnitten — nicht 'im Geist'. Das ist wieder Paulus." "Ich berühre kein Schwein. Jesus hat kein Schwein gegessen. Also lebst du nicht wie Jesus." → Video 52 [02:15] · Video 69 [04:41]

Apg 15,29 / Apg 21,20-26 — das Apostelkonzil und Paulus ●●●#

Der wertvollste Einzelfund der letzten Videogruppe.F09 — Ist die Bibel Gottes Wort?, Abschnitt 5 · A8 — Schriftkritik: Bibel, Kanon, Paulus

Apg 2,22 — "ein Mann, von Gott beglaubigt" ●●○#

"…durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat." → Die Wunder werden durch ihn, nicht von ihm gewirkt. → Video 40 [10:59]

Lk 19,27 · Mt 10,34 · Offb 19,13 — die Gewaltstellen ●●○#

A11 — Verteidigung gegen Gegenvorwürfe. ⚠ Lk 22,36 ("kaufe ein Schwert") nicht als Jihad-Vorbereitung deuten — exegetisch nicht haltbar. → Schwache Argumente — nicht verwenden

Num 31,17-18 · Dtn 25,11-12 — die Tu-quoque-Stellen ●○○#

Wirksam als Beweislastumkehr, beantworten aber die Sachfrage nicht.Video 16 [19:42] · Video 68 [03:53]

2 Sam 24,1 vs. 1 Chr 21,1 — Gott oder Satan? ●●●#

A8 — Schriftkritik: Bibel, Kanon, Paulus. ⚠ Mit der Inkonsistenz gegenüber 2 Thess 2,11 zu lesen.



Nachtrag 2026-08-25 — Videos 87, 91, 92#

Video 92 geht zehn Schlüsselverse systematisch durch — allerdings mit einem biblischen Unitarier als Gesprächspartner, also ohne trinitarische Gegenrede. Für dieses Kapitel heißt das: Das Material ist reichhaltig, aber jede Position braucht hier die Gegendeutung danebengestellt. Die Videos 87 und 91 liefern sie teilweise.


Neu behandelte Stellen#

Markus 13,32 — ARG-JOHN16-12-CONTRAST ●●●#

Der beste exegetische Zug der neuen Videos, weil er nicht auf Wortbedeutung setzt, sondern auf die Sprachfähigkeit des Textes:

"Er hat nicht gesagt: ich werde es später sagen. Er hat nicht gesagt: ihr seid noch nicht bereit. An anderer Stelle sagt er genau das: 'Noch vieles hätte ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen' (Joh 16,12). Wenn er das dort macht, hier aber sagt 'der Sohn weiß es nicht' — dann hätte er es sagen können und hat es nicht gesagt." — Video 87 [28:37]

→ Die Formel "ich weiß es, sage es aber nicht" existiert im Evangelium — und wird hier nicht verwendet. Dazu die Wortprobe: oudeis ("niemand") schließt alle Geschöpfe aus, steigert dann ("die Engel nicht, der Sohn nicht") und schließt genau eine Person ein: den Vater allein. Und der Vergleich: "Mose hat auch über den Jüngsten Tag berichtet und auch gesagt, dass er den Zeitpunkt nicht weiß — von Mose behauptest du das nicht."

Johannes 20,28 (Thomas) — ARG-JOHN20-31-PURPOSE ●●●#

"Einfach weiterlesen. Vers 31 löst es auf: Dies sei geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes — nicht: der allmächtige Gott. Der Verfasser sagt selbst, was das Ziel seines Buches ist." Und die Rückfrage: "Wenn wirklich Gott vor ihm stand — warum ist er nicht auf die Knie gegangen und hat ihn angebetet?" — Video 92 [1:39:36]

Der Zweckvers eines Buches wiegt schwerer als eine einzelne Ausrufsformel darin. Dazu der brauchbare Einwand des Da'i: Im Licht eines trinitarischen Thomas ergibt sein Erstaunen keinen Sinn — wenn Gott Mensch wird, ist Auferstehen ein Leichtes. ⚠ Nicht verwendbar ist die dritte, dort ebenfalls vorgetragene Deutung ("mein Herr und mein Gott" als Ausruf wie "oh mein Gott") — siehe Schwache Argumente — nicht verwenden.

Philipper 2,6 — ARG-MORPHE-MEANS-FORM ●●○ (mit Auflage)#

"Der Begriff ist im Griechischen μορφήdas bedeutet nicht 'gleich', sondern Gestalt oder Bild. Und dasselbe Wort steht in Markus 16,12 — 'er erschien in einer anderen Gestalt'. Dort wird es mit 'Gestalt' übersetzt, hier mit 'gleich'." — Video 92 [1:16:25]

Wichtige Einschränkung: Das Wort, das im selben Vers mit "gleich" wiedergegeben wird, ist ein anderesτὸ εἶναι ἴσα θεῷ, von ἴσος, und das heißt "gleich". Die Übersetzungen sind hier also nicht voreingenommen; sie geben zwei verschiedene Wendungen wieder. Wer beide nicht auseinanderhält, macht den Vorwurf der Übersetzertendenz zum Bumerang.

ARG-SECOND-ADAM-DIDNT-GRAB ●●○ (aus demselben Video [1:09:39]): "Er hielt es nicht für einen Raub" — wer hielt es denn für einen Raub? Der erste Adam: "ihr werdet sein wie Gott". Und als er es zu rauben versuchte, verlor er nicht seine Göttlichkeit, sondern seine Menschlichkeit**.

Kolosser 2,9 — ARG-FULLNESS-REDUCTIO ●●○#

"Die ganze Fülle der Gottheit wohnt in ihm. — Stell dir vor, ich sagte: 'die ganze Fülle des Menschen wohnt in dir'. Du bist bereits zu 100 % Mensch — da gibt es nichts aufzufüllen. Gott mit seiner Gottheit zu füllen ergibt genauso wenig Sinn." — Video 92 [1:19:56]

Dazu die Parallele Eph 3,19 — dieselbe Formel, angewandt auf die Gläubigen. Der Da'i führt sie auch in Video 91 [39:21]: "Man müsste die Aussage konsequenterweise auch auf die Gläubigen übertragen."

Johannes 17,3 gegen Johannes 17,21 — beidseitig#

Der Christ kontert ARG-JOHN17-3 mit Joh 17,21 aus demselben Gebet ("dass sie eins seien, wie wir eins sind") — also könne "eins" dort keine Wesenseinheit meinen. Der Da'i dreht es um (Video 91 [1:10:49]):

"Wenn du aus Joh 10,30 extrahierst, dass Jesus Gott ist, dann müsstest du aus Joh 17,21 extrahieren, dass die Jünger Teil der Trinität sind."

Die christliche Antwort ist die Theosis — die Gläubigen werden nicht Teil der Trinität, aber "das göttliche Leben fängt an, in ihnen zu leben" (Athanasius). Verbunden mit dem Eingeständnis, dass dies unter Christen oft zu wenig gelehrt werde.

ARG-FATHER-NEVER-SAYS-IT ●●○ — neu#

"Wenn Vater und Sohn gleichgestellt sind, würde ich erwarten, dass der Vater eine ähnliche Aussage über Jesus tätigtdass sie dich, Jesus, den einzig wahren Gott, erkennen. Die gibt es nicht." — Video 91 [1:15:12]

Die christliche Antwort [1:16:17]: "Nur der Sohn ist Mensch geworden — deswegen kann nur der Sohn das mit dem Vater aussprechen. Der Vater ist nicht Mensch geworden und betet zu Jesus." Dazu Joh 1,18 und die Rollenverteilung (der Vater sendet, der Sohn nimmt auf sich, der Geist inspiriert). Erwiderung des Da'i: "Hier werden Wesen mit Rolle vertauscht." → Sauber geführter, offen gebliebener Streitpunkt.

Offenbarung 1,8 · 21,6 · 22,12-13 — ARG-ALPHA-OMEGA-IS-THE-FATHER ●●○#

  • In Offb 22,12-13 spricht ab V. 10 ein Engel — und im AT spricht der Engel vielfach an Gottes Stelle.
  • Offb 1,4-5 unterscheidet ausdrücklich: Gnade "von dem, der ist und der war und der kommt" — und von Jesus Christus, dem treuen Zeugen. Dazu die methodische Bemerkung, die man sich merken kann [1:48:02]:

    "Es ist merkwürdig, dass man ganz tief in die Offenbarung hineingeht, um eine Begründung zu finden. Normalerweise ginge man in die Evangelien, wo Jesus mit uns redet."

Apostelgeschichte 5,3-4 — ARG-SPIRIT-IS-NOT-A-PERSON ●●○#

Drei Punkte, von denen der zweite neu in der Wiki ist: 1. Mt 10,20 nennt ihn "den Geist eures Vaters" — die Kraft des Vaters. 2. Das grammatische Geschlecht ist kein Argument: In Joh 14–16 stehen persönliche Pronomen, weil παράκλητος maskulin ist. Ob man mit "er" oder "es" übersetzt, ist "vom Grundsatz her eine theologische Entscheidung". 3. Personifikation ohne Person — wie bei der Weisheit im AT.

Matthäus 28,19 — ARG-BAPTISM, mit Streichung#

Tragfähig: In Apostelgeschichte und Briefen wird durchgehend "auf den Namen Jesu" getauft (Apg 2,38; 8,16; 10,48; 19,5; 22,16; Röm 6,3; 1 Kor 1,13; Gal 3,27; Kol 2,12) — Mt 28,19 ist die einzige Ausnahme, und eine Namensformel ist noch keine Wesenslehre. Zu streichen: die Behauptung, der Vers werde vornizänisch nicht zitiertDidache 7 und Tertullian widerlegen sie.

Johannes 1,1 — ARG-LOGOS-IS-NOT-A-PERSON ●●○#

λόγος stehe über 300-mal im NT, dābār über 1400-mal im AT — durchgehend Wort, Befehl, Tat, nie eine Person. Es könne personifiziert werden, ohne Person zu sein. Mit Gen 1 (Gott spricht, und es wird) und Ps 33,6 ("durch den Hauch seines Mundes") als Schlüssel zu Joh 1,3. Und Joh 1,18a: "Niemand hat Gott je gesehen" — im selben Kapitel. — Video 92 [11:53]–[27:00]

Die Parallele, die der Unitarier selbst zieht: Auch im Koran heiße Jesus "Wort Gottes" — und dort werde wenige Verse später gesagt, dieses Wort sei "Sei! — und es ist" (kun fa-yakūn), also ein Befehl.

Die trinitarische Gegendeutung fehlt in der Quelle vollständig (Präexistenz, theos ohne Artikel in Joh 1,1c, die Weisheitstradition, das Targum-Memra). Sie ist weiterhin die größte Einzellücke der Wiki. → Offene Baustellen


Alttestamentliche Theophanien — neu im Korpus#

Der christliche Zug (Video 87 [05:34]): Gott wandelt im Garten, Abraham bewirtet ihn, der Engel ringt mit Jakob — "Gott den Sohn hat man schon vorher gesehen."

Drei Erwiderungen: - ARG-JEWISH-SCHOLARSHIP-TEST — "Glaubst du, dass tausende Jahre jüdischer Gelehrsamkeit bei der Frage, wer Gott ist, einfach falschliegen?" ⚠ Nur konsequent verwendbar, siehe Schwache Argumente — nicht verwenden. - ARG-GOD-LOST-THE-WRESTLING — "Dort steht auch, dass Gott gegen Jakob verloren hat. Das macht bei einem allmächtigen Gott keinen Sinn." - ARG-EVEN-SATAN-IS-CALLED-GOD ●●● — "Wenn in einem Buch sogar Satan 'Gott' genannt wird (2 Kor 4,4), dann müssen wir genau hinschauen, was mit dem Begriff gemeint ist." → zeigt in einem Satz, dass theos im biblischen Sprachgebrauch kein eindeutiger Wesensbegriff ist. Zusammen mit Ps 82,6 / Joh 10,34-35 (ARG-SHALIACH).

Was der Korpus dazu schuldig bleibt: Die Rede vom maleʾakh JHWH ist im AT selbst schwankend — der Bote spricht mehrfach in erster Person als JHWH (Gen 16; Ex 3; Ri 6). Und Gen 32 sagt nicht, Gott habe verloren, sondern der Gegner habe Jakob nicht überwältigt und ihn zugleich gezeichnet. Die jüdische Tradition kennt zudem Memra und Šekhīnā als vermittelte Gottesgegenwart ohne Inkarnation. Keine dieser Antworten kommt vor.Offene Baustellen


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