„Vater und Sohn sind bei Gott gemeint, nicht bei uns“
teilweise 6 Min · etwas Vorwissen
Der Einwand#
Er kommt, sobald Sie fragen, was „Sohn Gottes" eigentlich heißen soll.
Sie: Ist das adoptiv gemeint, bildlich oder leiblich? Der Christ: Keines von dreien. Es ist analog gemeint. Und die Richtung ist entscheidend: nicht eine Übertragung von uns hinauf auf Gott, sondern von Gott herunter auf uns. Gott ist der Urtyp eines Vaters. Gott ist der Urtyp eines Sohnes — und was wir Vater und Sohn nennen, ist die Nachbildung.
Dazu meist ein Bild: Kinder, die in einer unterirdischen Welt aufgewachsen sind und jemandem die Sonne erklären sollen. Sie haben nur eine Lampe zum Vergleich — aber die Lampe ist die Nachbildung, nicht die Sonne.
Warum er ernst zu nehmen ist#
Weil er die Frage umdreht, und zwar zu Recht.
Ihre Frage — adoptiv, bildlich oder leiblich? — setzt voraus, dass „Vater" und „Sohn" zuerst menschliche Begriffe sind, die man dann auf Gott überträgt. Genau das bestreitet die Antwort. Wenn Gott der Ursprung ist, dann sind unsere Begriffe die abgeleiteten, und die Frage nach „adoptiv oder leiblich" ist von vornherein falsch gestellt.
Das ist keine Wortklauberei. Es ist eine alte und ausgearbeitete Denkfigur, und sie erledigt eine ganze Reihe der üblichen Züge — insbesondere jeden, der mit körperlicher Zeugung argumentiert.
Die Antwort#
Der tragende Zug: Was nicht benannt werden kann, erklärt nichts.
Beispielgespräch
Sie: Sie sagen: nicht adoptiv, nicht bildlich, nicht leiblich, sondern eine vierte Art. Können Sie diese vierte Art beschreiben, ohne wieder zu sagen, was sie nicht ist? Der Christ: Sie übersteigt unsere Begriffe. Sie: Dann ist sie von einem Geheimnis nicht zu unterscheiden. Und ein Geheimnis löst kein logisches Problem — es benennt es nur anders.
Der zweite Zug: Das Bild trägt in die andere Richtung mit.
Sie: Nehmen wir die Sonne und die Lampe. Die Lampe ist die schwächere Nachbildung — sie ist nicht falsch, nur klein. Wenn unsere Vater-Sohn-Beziehung die Nachbildung ist, dann muss die göttliche mindestens das enthalten, was unsere ausmacht: zwei, die sich zueinander verhalten. Und dann sind wir bei der Frage nach Johannes 17,3 und Johannes 14,28 — warum spricht der eine zum anderen, als sei der andere größer?
Stand#
◐ Teilweise beantwortet.
Die Rückfrage nach der Benennbarkeit ist berechtigt und wird nicht beantwortet. Aber sie widerlegt nichts — sie zeigt nur, dass die Antwort die Frage in ein Geheimnis überführt. Wer einen Deutungsrahmen hat, der ihm sonst nichts kostet, wird das hinnehmen.
Was Sie hier gewinnen, ist eine Klärung, kein Sieg: Es geht nicht um biologische Zeugung. Diesen Zug sollten Sie danach nicht mehr führen — er trifft niemanden, der die Lehre kennt, und lässt Sie uninformiert wirken. → Was nicht hält
Verwandte Einwände#
| „Ich verstehe, weil ich glaube“ | die Erkenntnisordnung dahinter |
| „Das ist kein Widerspruch, das ist ein Geheimnis“ | „das übersteigt die Vernunft" |
| „Das sagte er als Mensch, nicht als Gott“ | derselbe Bau: unterscheiden, ohne zu trennen |
Verwandte Stellen: Psalm 82,6 · Exodus 4,22 · Johannes 17,3
Tiefer: Was „Sohn Gottes“ bedeutet · Stufe 6 — Was „Sohn Gottes" heißt