Johannes 17,3
Joh 17,3
beantwortet 6 Min · ohne Vorwissen
Der Vers#
Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den allein wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.
— Johannes 17,3
Worum es geht#
Jesus betet. Er spricht den Vater an und nennt ihn „den allein wahren Gott". Sich selbst nennt er im selben Satz „den du gesandt hast".
Zwei Personen stehen in einem Satz nebeneinander — und nur eine von beiden trägt den Titel. Das ist kein Nebensatz aus einem Randkapitel, sondern Jesu eigenes Gebet, wenige Stunden vor seiner Verhaftung.
Das macht diesen Vers zum sachlichsten Zugang zum ganzen Thema: Sie müssen nichts über Kirchengeschichte wissen, um ihn zu verstehen. Er steht da, und jeder kann ihn aufschlagen.
So setzen Sie ihn ein#
Der Zug besteht aus zwei Schritten. Der zweite ist der wichtige — überspringen Sie ihn nicht.
Schritt 1 — die Asymmetrie zeigen#
Fragen Sie nicht nach der Trinität. Fragen Sie nach dem Spiegelvers.
Beispielgespräch
Sie: In Johannes 17,3 sagt Jesus zum Vater: „du, der allein wahre Gott". Finden wir irgendwo einen Vers, in dem der Vater dasselbe über den Sohn sagt — „Jesus, du bist der allein wahre Gott"? Der Christ: Man könnte auch sagen, der Sohn ist der einzig wahre Gott. Gemeint ist ja das Wesen dahinter. Sie: Dann stellen Sie eine Gleichwertigkeit her. In dem Fall müssten wir einen Vers finden, wo der Vater es umgekehrt sagt. Zeigen Sie mir den Vers.
Diesen Vers gibt es nicht. Nirgends in der Bibel sagt der Vater über den Sohn, was der Sohn hier über den Vater sagt. Die Aussage läuft nur in eine Richtung.
Schritt 2 — beweisen, dass „allein" wirklich „allein" heißt#
Der übliche Ausweg lautet: „allein wahrer Gott" grenze gegen die Götzen ab, nicht gegen den Sohn. Dieser Einwand ist gut, und Sie müssen ihn vorwegnehmen.
Nehmen Sie dazu einen Vers, den jeder Christ auswendig kann — Johannes 3,16:
Beispielgespräch
Sie: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab." Kann es neben diesem einzigen Sohn noch einen zweiten Sohn in der Dreieinigkeit geben? Der Christ: Nein. Sie: Dann bedeutet „einzig" hier tatsächlich: es gibt keinen weiteren. Und wenn Jesus zum Vater sagt „du bist der allein wahre Gott" — kann dann Jesus dieser Gott sein?
Dasselbe in einem Bild, das die Ausweichbewegung vorwegnimmt:
Beispielgespräch
Sie: Ich stelle den neuen Geschäftsführer vor: „Dieser Mann ist der einzige Geschäftsführer dieses Unternehmens." Kann es einen zweiten geben? Der Christ: Es kann einen Stellvertreter geben. Sie: Ich frage nicht nach einem Stellvertreter. Kann es einen zweiten Geschäftsführer geben?
Und die sprachliche Präzisierung, auf die alles hinausläuft:
Er sagt nicht „Gott ist der allein wahre Gott" — dann hätten Sie einen Punkt. Er sagt „du", und er spricht zum Vater. Der Vater ist nicht der Sohn.
Was der Christ antwortet#
Rechnen Sie mit vier Antworten. Die ersten drei sind Standard, die vierte ist die stärkste.
1. Der Vers grenzt gegen die Götzen ab. „Der allein wahre Gott" stehe gegen die vielen Götter der Heiden, nicht gegen den Sohn. → Dagegen hilft Schritt 2 oben.
2. Jesus spricht hier als Mensch und Gesandter. Nach der Zwei-Naturen-Lehre redet er in den Evangelien oft aus seiner menschlichen Natur. → Siehe „Das sagte er als Mensch, nicht als Gott“. Diese Antwort ist die eigentliche Auseinandersetzung; sie lässt sich aus dem Vers allein nicht widerlegen.
3. Johannes 20,28. Derselbe Evangelist stellt an das Ende seines Buches das Bekenntnis des Thomas: „Mein Herr und mein Gott". Wer Joh 17,3 anführt, muss auch Joh 20,28 erklären. → Siehe Johannes 20,28.
4. Johannes 17,21 — aus demselben Gebet. Wenige Verse später betet Jesus, „dass sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir". Wenn „eins" hier keine Wesenseinheit meint, dann — so der Einwand — beweise auch Joh 10,30 („ich und der Vater sind eins") keine Wesenseinheit.
Dieser Zug ist ernst zu nehmen, denn er lässt sich umdrehen:
Sie: Wenn Sie aus Johannes 10,30 herauslesen, dass Jesus Gott ist, dann müssten Sie aus Johannes 17,21 herauslesen, dass die Jünger Teil der Dreieinigkeit sind.
⚑ Die christliche Antwort darauf heißt Theosis: Die Gläubigen werden nicht Teil der Dreieinigkeit, aber „das göttliche Leben beginnt in ihnen zu leben". Das ist eine ehrliche Antwort und keine Ausflucht — sie hat eine lange Tradition, wird aber in vielen Gemeinden kaum gelehrt.
Und wenn Sie nach dem Spiegelvers fragen (Schritt 1), lautet die beste Antwort:
Der Christ: Nur der Sohn ist Mensch geworden. Deswegen kann auch nur der Sohn so zum Vater sprechen. Der Vater ist nicht Mensch geworden und betet nicht.
Das ist konsistent. Es erklärt, warum der Spiegelvers fehlt, ohne die Gottheit des Sohnes aufzugeben.
Wie stark das trägt#
— trägt. Der klarste rein textbezogene Zug, den es zu diesem Thema gibt. Er braucht keine Vorbildung, ist in zwei Minuten nachprüfbar und hält auch gegen ein gebildetes Gegenüber.
Die ehrliche Einschränkung: Er ist kein Beweis, sondern eine Beweislastverschiebung. Sie zeigen, dass die Bibel eine Aussage, die man erwarten müsste, nicht enthält. Wer die Zwei-Naturen-Lehre voraussetzt, kann Joh 17,3 widerspruchsfrei erklären — als Wort des Menschen Jesus. Aus dem Vers allein lässt sich diese Erklärung nicht widerlegen.
Führen Sie ihn deshalb als Frage, nicht als Urteil. „Wo steht der umgekehrte Satz?" ist stark. „Damit ist bewiesen, dass Jesus nicht Gott ist" ist es nicht — und Ihr Gegenüber merkt den Unterschied sofort.
Verwandte Stellen#
| Stelle | Wozu |
|---|---|
| Johannes 14,28 | „Der Vater ist größer als ich" — dieselbe Asymmetrie, andere Richtung |
| Markus 10,18 | „Warum nennst du mich gut?" — Jesus unterscheidet sich von Gott |
| Johannes 20,17 | „zu meinem Gott und eurem Gott" — Jesus hat selbst einen Gott |
| Johannes 20,28 | die Gegenstelle, die Sie kennen müssen |
| Johannes 10,30 | „Ich und der Vater sind eins" — hier hängt Joh 17,21 dran |
Tiefer: Ist Jesus Gott? · „Das sagte er als Mensch, nicht als Gott“ · Stufe 5 — Jesus über den Vater