Jesus & die Trinität Nachschlagewerk

Wurde Jesus gekreuzigt? | DIALOG #7

Videonotiz 79 — Zeitmarken beziehen sich auf die Originalaufnahme.

Länge05:08
Gegenüberälterer Katholik, ehemaliger Ministrant, ehrlich suchend
RelevanzMAXIMAL
Themenkreuzigung, gott-laesst-propheten-nicht-leiden, vaterfrage, eli-eli-lama-sabachthani, mk10-18, jesus-lenkt-zu-gott, widerspruchsfreiheit-des-buches

Zum Transkript: Transkript brauchbar bis gut; Zitate weitgehend zuverlässig, Satzbau teils gestört.

Setting#

Ein bemerkenswert ruhiges Gespräch mit einem älteren Katholiken, der selbst Ministrant war und am Ende sagt, er sei "ein bisschen überzeugt" und wolle den Koran lesen. Eines der wenigen Videos, in dem die Wirkung des Gesprächs sichtbar wird.

Argumentkette#

Der Einstieg — die Frage nach dem eigenen Glauben [00:04]–[00:54]#

Der Da'i beginnt nicht mit einem Argument, sondern mit einer Trennung:

"Was glauben Sie — nicht, was die Kirche Ihnen predigt, sondern was Sie glauben?" "Glauben Sie, dass Gott Mensch wird? Mensch wie wir, Fleisch, der essen und auf die Toilette muss?" Der Gesprächspartner verneint: Jesus sei "überirdisch".

Methodisch der beste Einstieg im Korpus. Er trennt die dogmatische Zustimmung von der tatsächlichen Überzeugung — und legt offen, dass viele Christen faktisch keine Inkarnation im vollen Sinn glauben, sondern etwas Vageres. Vgl. Video 07, Video 23.

Die islamische Position in einem Satz [00:54]#

"Im Islam ist es so, dass es einen Schöpfer gibt, dass Allah Realität ist. Und dass er unter den Menschen bestimmte Menschen auserwählt hat — wie Moses, Jesus, Abraham, Muhammad — damit diese Menschen uns den Willen Gottes erklären und verbreiten."

ARG-WOULD-GOD-CRUCIFY-HIS-PROPHET — Die Kernfrage [01:20]–[01:50]#

"Die Muslime glauben nicht, dass er gekreuzigt worden ist." → "Echt? Warum nicht?" "Liebt Gott Jesus?" → "Gute Frage. Ja." "Würde Gott seinen Propheten kreuzigen lassen, ihm diesen Schmerz zufügen lassen? Das ist die große Frage." "Wir sagen, dass Gott das nie zulassen wird."

ARG-FATHER-ANALOGY — Die Analogie, die der Gesprächspartner selbst liefert [01:50]–[02:43]#

Bemerkenswert: Der Katholik formuliert das Argument selbst, bevor der Da'i es zuspitzt.

Katholik: "Wenn man sagt, Gott ist der Vater von Jesus … dann würde ich als Familienvater sagen: Mein Sohn — ich würde das nie zulassen, dass ihm so etwas passiert." Da'i: "Gehen wir davon aus: Wir Menschen begehen die Sünde — Sie kennen die Erbsünde. Wir Menschen begehen die Sünde, und Sie müssten Ihren Sohn kreuzigen. Würden Sie das tun?" "Warum sollte Gott das mit Jesus tun?" Katholik (der Einwand, der ihm einfällt): "Wenn mein Sohn ein Schwerverbrecher wäre, würde ich [es vielleicht] zulassen." Der Konter: "Schau mal: Gott hat diese Menschen sogar auserwählt. Das heißt, er hat an ihnen etwas erkannt — wie bei Jesus diesen Charakter, diese schönen moralischen Werte. Er hat ihn auserwählt. Und dann kreuzigt er ihn? Immer dieses Paradox."

Das ist die klarste Fassung des Arguments im ganzen Korpus: Der Sohn, der geopfert wird, ist gerade der Erwählte — nicht der Schuldige. Die Analogie des Gegenübers dreht sich damit gegen ihn. Vgl. ARG-JUSTICE-XOR-MERCY Video 02, Video 15, Video 39.

ARG-ELI-ELI-LAMA-SABACHTHANI — Der Schrei am Kreuz [02:43]–[03:09]#

"Wir wissen von der Bibel selber, dass Jesus, als er da oben angeblich [am Kreuz] war, auf Aramäisch gesagt hat: Eli, Eli, lema sabachthani — 'Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?' [Mt 27,46 / Mk 15,34]" "Das heißt, er war nicht mal mit der Entscheidung zufrieden. Gott hat ihn gezwungen. Das ist sehr, sehr widersprüchlich." Der Katholik: "Genau. Krass, ziemlich."

Die argumentative Pointe: Der Kreuzestod wird in der christlichen Lehre als freiwilliges Selbstopfer Gottes gedeutet. Der Schrei am Kreuz ist aber der Schrei eines Verlassenen, nicht der eines Handelnden. Wer freiwillig gibt, fragt nicht, warum man ihn verlassen hat. Wichtig für die Redlichkeit: Die christliche Antwort lautet, dass Jesus hier Psalm 22,2 zitiert, dessen Ende ein Triumphlied ist. Die Wiki muss diese Gegenantwort mitführen — und die islamische Erwiderung darauf (auch ein Zitat wird als Zitat gewählt, weil es die Lage ausdrückt). Vgl. Video 10, Video 13.

ARG-MK10-18-WHY-CALL-ME-GOOD + ARG-JESUS-POINTED-TO-GOD — Der christologische Kern [03:09]–[03:34]#

"Jesus hat das nie gepredigt. Es sind Menschen, Juden, zu ihm gekommen und haben gesagt: 'O guter Meister, nenne uns ein gutes Gebot.' Und Jesus hat gesagt: 'Warum nennt ihr mich gut? Nicht ich bin gut, sondern Gott [allein] ist gut.' [Mk 10,18]" Der entscheidende Satz: "Er hätte ihnen da sagen können: 'Hey Leute, ich bin Gott, ich bin der Sohn Gottes, ihr müsst an mich glauben und an mein Blut glauben, damit eure Sünden vergeben sind.' Was hat er gemacht? Er hat die Leute zu Gott gelenkt."

Das ist das Argument aus der verpassten Gelegenheit — dieselbe Struktur wie ARG-IF-HE-CAME-TO-TEACH-TRINITY in Video 75: An genau der Stelle, an der die entscheidende Aussage hätte fallen müssen, fällt sie nicht. Für die Wiki gehören beide Stellen (Mk 10,18 und Mk 12,29) in einen Artikel: "Was Jesus antwortet, wenn man ihn direkt fragt."

ARG-A-BOOK-FROM-GOD-MUST-BE-PERFECT — Der Übergang zum Koran [03:34]–[04:27]#

"Wenn der Schöpfer ein Buch zu uns herabsendet, dann muss dieses Buch perfekt sein, dann kann das Buch keine Widersprüche haben. Und wir finden es beim Koran wieder." Der Da'i bietet ein kostenloses Exemplar an; der Gesprächspartner nimmt es (per Internet) an: "Ich muss ehrlich sagen, Sie haben mich jetzt ein bisschen überzeugt." "Lesen Sie den Koran und schauen Sie … vielleicht [in der Haltung], dass der Schöpfer zu Ihnen spricht durch dieses Buch."

Bibelstellen#

Stelle Verwendung Zeit
Mt 27,46 / Mk 15,34 "Warum hast du mich verlassen?" [02:43]
Mk 10,18 "Warum nennst du mich gut?" [03:09]
Sure 4,157 (implizit) Kreuzigung wird verneint [01:20]
Sure 4,82 (implizit) Widerspruchsfreiheit als Kriterium [04:01]

Offene Punkte / Schwächen#

  • Sure 4,157 wird nicht zitiert — der Da'i argumentiert rein theologisch (Gott würde das nicht zulassen), nicht textlich. Das ist rhetorisch klug, lässt aber die Frage offen, was nach islamischer Lehre stattdessen geschah. Ausführlich in Video 39 und Video 27.
  • Der Einwand des Katholiken ("wenn mein Sohn ein Schwerverbrecher wäre") wird gut gekontert, aber die eigentliche christliche Antwort — dass gerade die Unschuld des Opfers die Stellvertretung ermöglicht — kommt nicht zur Sprache. Die Wiki muss sie einsetzen und beantworten, sonst wirkt das Argument gegenüber einem informierten Christen naiv.
  • Ps 22,2 als Hintergrund von Eli, Eli fehlt (siehe oben).
  • Für einen Suchenden ist dieses Video das beste Einstiegsvideo überhaupt: kurz, ruhig, ohne Polemik, mit dem stärksten Einstieg ("Was glauben Sie, nicht was die Kirche predigt?") und einem sichtbaren Ergebnis.