Johannes 10,30
Joh 10,30-36
beantwortet 6 Min · ohne Vorwissen
Der Vers#
Ich und der Vater sind eins.
— Johannes 10,30
Worum es geht#
Der bekannteste Satz zum Thema, und der, der am häufigsten fällt — meist als Erstes und meist ohne den Zusammenhang.
Er ist auch der Satz, der sich am saubersten beantworten lässt, weil die Antwort nicht aus Sprachwissenschaft kommt, sondern aus vier Versen weiterlesen.
So wird er gegen Sie eingesetzt#
Der Christ: Deutlicher geht es nicht. „Ich und der Vater sind eins." Und die Zuhörer haben es verstanden — sie greifen im nächsten Vers zu Steinen und werfen ihm vor, dass er sich zu Gott macht.
Was darauf zu sagen ist#
Der erste Zug — was Jesus auf den Vorwurf antwortet.
Lesen Sie weiter. In Vers 33 lautet der Vorwurf: „du machst dich selbst zu Gott." Wenn das zuträfe, wäre hier die Stelle für ein Ja. Jesus bestätigt es nicht. Er antwortet mit einem Zitat aus Psalm 82,6:
„Steht nicht in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter? Wenn er die, an die das Wort Gottes erging, Götter genannt hat …"
Sie: Wenn er hätte sagen wollen „ja, ich bin Gott", warum antwortet er dann mit einem Vers, in dem Menschen „Götter" genannt werden? Das ist keine Bestätigung, das ist eine Einordnung.
Der zweite Zug — das „Eins" im selben Evangelium. Sieben Kapitel später betet Jesus für die Jünger: „dass sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir" (Joh 17,21).
Beispielgespräch
Sie: Im selben Evangelium betet er, dass die Jünger eins seien, so wie er und der Vater eins sind. Wie viele Jünger waren es? Zwölf. Sagen wir deshalb, es gibt dreizehn Götter? Der Christ: Nein, das ist eine andere Art von Einheit. Sie: Dann kann „eins" hier auch eine andere Art von Einheit meinen. Die Art, die im Text steht, ist die des Willens: „Ich richte so, wie der Vater es will."
Was der Christ antwortet#
Zu Psalm 82: Das Zitat sei ein Schluss vom Kleineren aufs Größere. Wenn schon Menschen, an die Gottes Wort erging, „Götter" heißen dürfen — wie viel mehr der, den der Vater geheiligt und gesandt hat. Jesus nehme seinen Anspruch also nicht zurück, er verteidige ihn.
Zu Joh 17,21: Das „Eins" der Jünger sei ein abgeleitetes, das des Sohnes ein wesenhaftes. Die Einheit im Willen schließe eine Einheit im Wesen nicht aus.
Beide Antworten sind gut. Sie zeigen aber zugleich, was der Zug erreicht hat: Aus einer angeblich eindeutigen Stelle ist eine Stelle geworden, die zwei Deutungen zulässt.
Wie stark das trägt#
— trägt.
Der Vers ist der Standardeinstieg der Gegenseite und zugleich ihr schwächster starker Vers. Der Grund: Beide Gegenzüge stehen im selben Evangelium, wenige Kapitel auseinander, und brauchen keinerlei Vorbildung.
Was Sie damit erreichen — und was nicht. Sie zeigen, dass Joh 10,30 die Wesenseinheit nicht erzwingt. Sie zeigen nicht, dass sie ausgeschlossen ist. Formulieren Sie es genau so; wer behauptet, die Stelle sei damit erledigt, greift zu weit und wird korrigiert.
Verwandte Stellen#
| Stelle | Wozu |
|---|---|
| Psalm 82,6 | „Ihr seid Götter" — der Vers, mit dem Jesus antwortet |
| Johannes 17,3 | dasselbe Gebet, andere Richtung |
| Johannes 8,58 | die andere Stelle mit Steinigungsszene |
| Johannes 1,1 | die Stelle, die wirklich trägt 🔍 |
Tiefer: Stufe 8 — Die Verse gegen Sie · Die Trinität