Johannes 8,58
Joh 8,58
beantwortet 6 Min · etwas Vorwissen
Der Vers#
Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich.
— Johannes 8,58
Worum es geht#
Die Behauptung lautet: Mit „ich bin" (egō eimi) nimmt Jesus den Gottesnamen aus Exodus 3,14 auf — „Ich bin, der ich bin". Er sage damit nicht nur, dass er vor Abraham existierte, sondern wer er ist.
Als Bestätigung dient die Reaktion: Die Zuhörer heben Steine auf (Joh 8,59). Sie hätten es also als Gotteslästerung verstanden.
Das ist die dritte der starken Stellen — und die einzige der drei, gegen die es eine vollständige Antwort gibt.
So wird er gegen Sie eingesetzt#
Der Christ: Er sagt nicht „ich war", er sagt „ich bin" — im Präsens, gegen die Grammatik. Das ist der Gottesname aus Exodus 3,14. Und die Zuhörer haben es genau so verstanden, sonst hätten sie nicht zu Steinen gegriffen.
Was darauf zu sagen ist#
Vier Antworten, alle tragfähig. Zusammen sind sie der bestbelegte Zug dieses Werks.
(a) Der Kontext — die Pharisäer haben die Frage gestellt, nicht Jesus
Lesen Sie zwei Verse zurück. In Joh 8,56 sagt Jesus: „Abraham jubelte, dass er meinen Tag sehen sollte." Darauf antworten die Zuhörer in Vers 57: „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?"
Sie: Jesus hat nie gesagt, dass er Abraham gesehen hat. Er sagte, Abraham habe seinen Tag gesehen. Die Unterstellung stammt von den Pharisäern. Wir sollten Jesus nicht nach den Vorwürfen seiner Gegner beurteilen.
Dass Abraham den Tag des Christus in einer Vision sah, stützt auch Paulus in Galater 3,8.
(b) Sprachlich — der Gottesname ist hebräisch, nicht griechisch
Sie: In Exodus 3,14 steht hebräisch ehyeh ascher ehyeh. Das ist ein Eigenname. Egō eimi ist griechisch und heißt schlicht „ich bin". Einen feststehenden Namen übersetzt man nicht — bei JHWH sagen wir auch nicht „der Seiende", wir sagen Jahwe.
(c) Andere sagen dasselbe
Sie: Wäre egō eimi der unantastbare Gottesname, dürfte ihn niemand sonst gebrauchen. In Johannes 9,9 sagt der geheilte Blinde genau dasselbe: egō eimi — „ich bin es". Beten wir ihn deswegen an?
(d) Der Vergleich mit den anderen Evangelien — der eigentliche Nachweis
Sie: In Lukas wird Jesus gefragt, wer er sei, und antwortet „ich bin". Matthäus erzählt dieselbe Szene und schreibt: „ich bin der Christus." Egō eimi heißt dort also „ich bin der Messias" — nicht „ich bin Gott".
Und die Frage, auf die es hinausläuft:
Sie: „Ich bin" ist kein vollständiger Satz. Warum spricht er ihn nicht zu Ende und sagt „ich bin Gott"? Dann hätten wir diese Diskussion nicht.
Wie stark das trägt#
— trägt. Vier voneinander unabhängige Antworten, jede einzeln nachprüfbar. Fällt eine, stehen die anderen drei.
Zum Steinigungs-Einwand: Dass die Zuhörer zu Steinen griffen, zeigt, wie sie es verstanden — nicht, was gemeint war. Zug (a) erklärt, warum sie es so verstehen mussten: Sie hatten Jesus bereits eine Aussage untergeschoben, die er nicht gemacht hatte.
Ein Hinweis zur Führung: Fangen Sie mit (a) an, nicht mit (b). Der Kontextzug braucht nur eine Bibel und zwei Verse Rücklesen. Das Sprachargument setzt voraus, dass Ihr Gegenüber Ihnen beim Hebräischen folgt — und wer das nicht kann, empfindet es als Trick, auch wenn es keiner ist.
Verwandte Stellen#
| Stelle | Wozu |
|---|---|
| Johannes 1,1 | die stärkere Stelle zur Präexistenz |
| Johannes 20,28 | die zweite Stelle, die gegen Sie geführt wird |
| Exodus 3,14 | der Gottesname, um den es geht |
| Exodus 7,1 | Mose als Elohim — Titel sind nicht ausschließlich |
Tiefer: Stufe 8 — Die Verse gegen Sie · Egō eimi · Ist Jesus Gott?