Jesus & die Trinität Ein Lehrgang

Markus 13,32

Mk 13,32 / Mt 24,36

teilweise 7 Min · ohne Vorwissen

Der Vers#

Jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

— Markus 13,32 (gleichlautend Mt 24,36)

Worum es geht#

Von allen Stellen der Eigenschaftsprüfung ist diese die klarste, weil sie nicht von einem Verhalten berichtet, sondern eine Grenze ausspricht — und Jesus spricht sie selbst über sich aus.

Sehen Sie sich den Bau des Satzes an: Er schließt alle aus („niemand"), steigert dann zweimal („auch nicht die Engel", „nicht einmal der Sohn") — und schließt am Ende genau eine Person ein: den Vater.

So setzen Sie ihn ein#

Beispielgespräch

Sie: In Markus 13,32 sagt Jesus, dass er den Tag des Gerichts nicht kennt — nur der Vater kennt ihn. Wie kann jemand die Stunde nicht kennen, die er nach Ihrer Lehre selbst geschaffen hat?

Der zweite Zug — und er ist der stärkere. Er setzt nicht auf Wortbedeutungen, sondern darauf, was der Text hätte sagen können und nicht sagt:

Sie: Er sagt nicht „ich sage es euch später". Er sagt nicht „ihr könnt es noch nicht ertragen". Und das ist bemerkenswert, denn genau diesen Satz gibt es bei Johannes: „Noch vieles hätte ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen" (Joh 16,12). Die Formel „ich weiß es, sage es aber nicht" existiert in den Evangelien. Hier wird sie nicht verwendet. Hier steht: der Sohn weiß es nicht.

Und der Vergleichsfall:

Sie: Auch Mose hat vom Jüngsten Tag gesprochen und gesagt, dass er den Zeitpunkt nicht kennt. Von Mose behaupten Sie deswegen nichts.

Was der Christ antwortet#

1. Die menschliche Natur. Der Sohn weiß es nicht gemäß seiner menschlichen Natur. → „Das sagte er als Mensch, nicht als Gott“, der Haupteinwand.

2. Die Hochzeits-Analogie. Bei einer jüdischen Hochzeit bestimmte allein der Vater des Bräutigams den Termin. „Nur der Vater weiß es" sei also eine Ehrenaussage über die Zuständigkeit des Vaters, keine Aussage über Unwissen.

Das ist gut gefunden. Der Gegenzug ist es auch:

Sie: Dann hätte er gesagt „ich sage es euch nicht". Er sagt aber „ich weiß es nicht". Das ist ein anderer Satz.

3. Textkritik. Bei Matthäus fehlt „auch nicht der Sohn" in einem Teil der Handschriften. Rechnen Sie damit — und weichen Sie dann auf Markus aus, wo die Bezeugung einheitlich ist.

Wie stark das trägt#

●●● als Einstieg, ◐ im Verlauf.

Die Stelle ist unter den Eigenschaftsstellen die beste, weil Jesus die Grenze selbst ausspricht. Der Vergleich mit Joh 16,12 ist der stärkste exegetische Zug dieses Werks: Er zeigt nicht, was der Text bedeutet, sondern dass der Text eine andere Formulierung zur Verfügung hatte und sie nicht gewählt hat.

Wie überall endet es bei den zwei Naturen. Dort ist es unentschieden.

Eine Warnung. Aus dem Vers lässt sich keine Aussage über die Dreieinigkeit ableiten — in beide Richtungen nicht. Er nennt drei Größen: die Engel, den Sohn, den Vater. Wer daraus eine Dreiheit machte, betriebe keine Auslegung. Verwenden Sie ihn als Aussage über das Wissen, nicht über die Lehre.

Verwandte Stellen#

Stelle Wozu
Lukas 2,52 „er nahm zu an Weisheit" — dieselbe Richtung
Johannes 16,12 die Formel, die hier gerade nicht verwendet wird
1 Timotheus 6,16 die zweite große Eigenschaftsstelle
Johannes 5,30 „ich kann von mir aus nichts tun"

Tiefer: Stufe 4 — Das Werkzeug: die Eigenschaftsprüfung · Ist Jesus Gott? · „Das sagte er als Mensch, nicht als Gott“